Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
Entstehung
Seite
332
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332 HG. Nr. 948.

man zuerst auf Hans Baidung, genannt Grien oder Grün, weil dieserMeister für die genannte Offizin arbeitete, wie wir unter dem Mono-gramm HGB ersehen. Die ächten Blätter desselben stimmen aberwenig mit jenen unsers Monogrammisten, indem sie in Zeichnung undSchnitt geringer sind. Andere verfielen desswegen auf Hans Grieningerselbst, da man annehmen wollte, dass er aus der Kaste der Briefmalerhervorgegangen sei. Wenn Grüninger je Künstler, zunächst Form-schneider war, so müsste man seine Blätter in den Druckwerken von1490— 1Ü08 suchen, nämlich im Terenz 1496, im Horaz 1498, imVirgil 1!>02, im deutschen Cäsar lti08 u. s. w. Allein wir glaubennicht, dass der thätige Buchdrucker Grüninger die in seiner Offizinerschienenen Werke selbst illustrirt habe. Kr hatte einen Künstler,dessen Zeichnung in der früheren Periode steif und unbeholfen war.Die Figuren sind um die Hüften häufig verschoben, das Gesicht mitdem langen und stark angedeuteten Nasenknorpel länglich rund, unddie Augen aufgerissen und breit geschlitzt. Die Heiligen haben teller-förmige Nimbus, und in den historischen Darstellungen sind die Namender Hauptfiguren auf Bändern über ihnen eingeschnitten. Meistenssind landschaftliche Gründe angebracht; felsige Gegenden von Wasserdurchschnitten. In späteren Blättern wird aber die Landschaft reicher,und ist nicht selten von eigenem Reize. Diess tritt gegen 1U08 ein,und bald darauf ist ein merklicher Fortschritt wahrzunehmen. VielSteifes und Unbeholfenes der ersten Zeit dürfte aber auch auf Rech-nung der im Bildungsgange begriffenen Gehülfen kommen. Auf einerhöheren Stufe stehen schon die 20 Holzschnitte zu Gailer's Passionin Form eines Gorichtshandels von 1S09, und zum Theil im Leb-kuchen von 1B44. Das Schönste, was die alt - elsassische Schule, undzwar der nicht namentlich bekannte Meister geleistet hat, findet manbeisammen in Dr. M. Luther's Postille, welche Stephan Rodt 1H42 beiWolff Köphel in Strassburg herausgegeben hat, fol. Der alte Meisterder Grüninger'schen Offizin ist nicht Hans Baldnng Grien, nicht UrsGraf, nicht Heinrich Vogtherr, nicht Hans Wächlin, welchen manPilgrim nennen will. Er ist vielleicht unser Monogrammist, welcheraber erst in seiner späteren Zeit eines Zeichens sich bedient habenmüsste, als er schon von jüngeren Meistern überflügelt war. An derSpitze derselben steht sicher Hans Baidung Grien, dessen Blätter ge-wöhnlich mit einem aus HGB bestehenden Zeichen versehen sind, undso sehr von jenen mit dem gegebenen Monogramme abweichen , dassan Baidung Grün nicht wohl zu denken ist.

Wenn wir uns in Strassburg nach einem Meister umsehen, welcherebensowohl als Maler oder Zeichner, wie als Formschneider dem Buch-drucker Hans Grieninger (Grüninger) in der früheren Zeit seiner Thätig-keit Hülfe leisten konnte, so tritt uns Hieronymus Greff von Frankfurtentgegen. Dieser Künstler hatte 1S02 A. Dürer's Vorstellungen ausder Apokalypse xylographisch copirt. Am Ende des Werkes steht:Gedruckt zu Strassburg durch Jheronimum Greff den Maler, ge-nant von Franckfurl nach christi gehurt M.CCCCCII jor. Er nenntsich also Maler, und konnte als solcher auch Zeichnungen gelieferthaben, möglicher Weise für Hans Grüninger, welcher eines Mannesbedurfte, der in der Composition und im Schnitte gleich erfahren war.Greff hat die Apokalypse von A. Dürer sicher selbst geschnitten, undwenn er um I49ii noch unbeholfen war, so müsste er durch diese Uebungwesentliche Vortheile erlangen. Die Copie der Apokalypse hatte denMeister Dürer mit Recht entrüstet, er konnte aber dem H. Greff dieweitere Arbeit nicht verbieten, und somit wird dieser im Jahre lallnoch rüstig gewesen seyn, indem A. Dürer in der Vorrede zur zweiten