GV. Nr. 414. 127
erwähnten Blätter mit. dem fünften Zeichen von ihm herrühren. Indiesem Falle wäre er der Zeit- und Stadtgenosse des Ursus Graf, dadie Passion von D. Agricola 1511 in Basel erschien. Jedenfalls findetin vielen Blättern in Zeichnung und Schnitt ein so grosser Unterschiedstatt, dass man wohl zwei verschiedene Künstler annehmen könnte.Das technische Verfahren entscheidet indessen nicht, indem Ursus Grafwohl nur den geringen Theil selbst in Holz geschnitten hat. Er warals Goldschmied zeichnender Künstler, wie seine Mappe im Museumzu Basel zur Genüge beweiset. Die Passion von Agricola kann unsauf die Spur eines zweiten Meisters leiten. Das Blatt mit Christus amOelberge ist mit dem Buchstaben M bezeichnet, welcher ebensowohlden Zeichner, als den Formschneider andeuten könnte. Auf einemgrossen Holzschnitte in der unten erwähnten Ausgabe des Eutropiusstehen die Buchstaben MVA übereinander. Diese dem A. Dürer nach-geahmte Leiste hat auch dio Abbreviatur VRS., worunter ein Ursuszu verstehen ist, welcher den Titelholzschuitt zu den Constitutionendes Papstes Clemens V. mit dem vollen Namen VRSVS bezeichnet hat.Wenn darunter Ursus Graf zu verstehen ist, so hat er durch die Abbre-viatur sich als Copist einer Dürer'schen Titelleiste legitimirt, und indem grossen Blatte zu den Constitutionen eines der schönsten Original-werke geliefert. Letzteres weicht auch im Schnitte gänzlich ab, undwir möchten daher glauben, dass die Leiste mit der Abbreviatur voneinem anderen Künstler herrühre, von jenem mit dem Löthrohre,welcher auch die säugende Madonna nach Dürer's Holzschnitt B. No. 34copirt hat. Dieses Blatt ist ebenfalls mit dem Monogramme und derBoraxbüchse darüber bezeichnet. Vielleicht tritt dafür der GoldschmiedUrsus Gemberlein ein, der Meister mit der Boraxbüchse, welcher auchan den Blättern zur Passion des D. Agricola Theil hat. Der BuchstabeM auf dem Blatte mit Christus am Oelberge könnte dann einenFormschneider andeuten, wenn wir annehmen wollen, dass der Mono-grammist mit dem Löthrohre zeichnender Künstler war. DerselbeFormschneider müsste dann auch unter den Buchstaben MVA seineMithülfe kund gegeben haben. Auf dem unten erwähnten Blatte mitdem Opfer der hl. Maria im Tempel stehen die Buchstaben FMS.
Dass die vielen mit dem einen oder dem anderen Monogrammebezeichneten Blätter in Zeichnung und Schnitt nicht von dem einenund demselben Meister herrühren können, lehrt der Augenschein DieBlätter sind in der Conception verschieden, nicht selten alterthümlich,und dann auch wieder in einer der Dürer'schen Richtung verwandtenWeise behandelt. Der Einfluss des H. Holbein ist weniger erkenntlich.Holbein war noch ein Jüngling, als Ursus Graf schon den grössten1 heil seiner Arbeit vollbracht hatte. Man wollte nicht mit Unrechtannehmen, dass ihn letzterer auf die Formschneidekunst gebracht habe.Dem Urs Graf gehört das erste, zweite, dritte, sechste, siebenteund achte Zeichen sicher an. Diese Monogramme kehren aber nichtstereotyp wieder. Sie sind auch schief, und kleiner eingezeichnet, jenach der Grösse des Blattes, und nach der örtlichen Lage, so wie wirsie schon im zweiten Bande No. 744 gegeben haben. Es vermuthetennämlich nicht alle G V, sondern auch C V, indem diese Form des Gjetzt ungewöhnlich ist.
Das neunte Zeichen gehört ebenfalls dem Urs Graf an. Es istder Dolch oder das Schneidmesser zur Bildung des V benützt, so wiebeim ersten Monogramme. Das letzte Zeichen kommt auf einem Blatteder grossen Passion vor, über welche wir unter VG handeln. Es sindvielleicht die Buchstaben der übrigen Monogramme darin nicht ent-halten. Wenigstens tritt das G nicht hervor.