Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
Entstehung
Seite
57
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GMAF. Nr. 18». 57

geht auch hervor, dass Diana die Tochter des Gio. Battista Mantuanogewesen ist. Adam war ihr Bruder, und Giorgio Ghisi rettet dahernur die Landsmannschaft. Der bisherige Gio. Battista Ghisi ver-schwindet gänzlich aus der Kunstgeschichte, und der sogenannteG. B. Scultore oder de' Scultori ist unsers Wissens ebenfallsnicht haltbar. Dagegen steht der auch /. B. M. zeichnende Jo. Man-luanus oder J, B. Manluanus urkundlich, d. h. durch Aufschriften,fest. Auch Vasari rühmt den Gio. Battista Mantuano als Kupferstecher,und sagt auch noch, dass er zwei Kinder gehabt habe, welche diegleiche Kunst übten. Darunter sind Adam und Diana aus Mantua zuverstehen, welche bisher ebenfalls Ghisi genannt wurden. Diesen Fa-miliennamen führten aber nur Giorgio und Tcodoro, welche als Söhnedes Gio. Batt. Mantuano nicht erwiesen sind.

Mit diesem Gio. Battista Mantuano ist Gio. Batt. Bcrtano oderBritano Mantuano, welcher ebenfalls mit Giorgio Ghisi in Berührungkommt, nicht Eine Person. Wir haben im ersten Bande No. 1715 überihn gehandelt, und der Kupferstecher G.B. Mantuano findet unter /. BA.MA. seine weitere Stelle. Hier ist nur angedeutet, dass er nicht derVater des Giorgio Ghisi gewesen sei, und dass er irrig G. B. Ghisigenannt wurde. Mit Bertano steht Giorgio nicht einmal in Verwandt-schaft. Es geht dicss aus einer Anmerkung in Bertano's Commentarzum Vitruv (Gli oscuri e difficili pa.ssi dell Opera di Vilrvmo. Man-tova lüHa) hervor. Der Verfasser sagt, dass er im Pontificate Paul III.(1534 — 1549) zweimal nach Rom gekommen sei , und dort viel mitGiorgio Ghisi verkehrt habe, einem wahrhaft seltenen Kupferstecher,welcher auch in Damasmazircn verschiedener Art bewandert sei. Ber-tano sagt kein Wort von einer Verwandtschaft, und somit kannten sichdie Künstler nur von Mantua her. Für den Comincntar zum Vitruviusstach Giorgio den Herkules mit der Hydra, wie I. No. 1715 zu ersehen ist.Bartsch XV. p. 384 ff. beschreibt 71 Blätter von der Hand diesesMeisters, und fügt auch noch zwei andere Stiche bei, welche ihm wahr-scheinlich nicht angehören. G. Ghisi stach nach Itafael, Michel Angelo,Luca Penni, Giulio Komano, Lambert Lombardus, G. B. Bcrtano, Cor-reggio, Giulio Campt, Francesco Salviati, Gio. Batt. Mantuano, Polidoro,Perino del Vaga, Primaticcio, Teodoro Ghisi, A. Bronzino u. A. AndereBlätter sind nach eigener Zeichnung ausgeführt, man kann aber nichtsagen, dass Ghisi auch Maler gewesen sei. Als Zeichner erreichte erjedoch eine hohe Stufe, und es ist augenfällig, dass Michel Angeloihm vorgeleuchtet habe, sowohl in seinen Vorzügen, als in seinenUebertreibungen , welche bei Ghisi zuweilen in Manier ausarten. Inden Blättern aus seiner früheren Zeit sind die Formen seiner Figurenscharf hervorgehoben, die Muskeln und die Lichttheile fast nur imUmrisse , die Physiognomien unschön, und die Nebenwerke vernach-lässiget. Den Grabstichel führte er damals in grosser Freiheit, küm-merte sich aber nicht um regelmässige Lagen. Später verfiel er ganzins Gegontheil. Jetzt vollendete er fieissiger, und ging in den Bei-werken ins Kleinste. Seine Taillen sind regelmässig und zierlich, dieConturen verschmolzen, die Körperformen gerundet, und nach und nachhäuften sich die Punkte statt der freien Strichelungen, wie bei keinemanderen früheren Meister. Die hessten Blätter seiner zweiten Periodekann man neben jenen des Marc Anton sehen, doch ist Milizia's Ur-theil nicht zu unterschreiben, wenn er sagt, dass der harte und un-biegsame Stichel eines Marc Anton unter Ghisi's Händen geschmeidigund zart geworden sei. Selbst seine sorgfältigsten Blätter sind nichtganz von Härte frei, und es fehlt die gehörige Abstufung des Tons.