Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
883
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BRO. Nr. 2058-2059. 883

2058. Unbekannter Kupferstecher. Wir fnlircn unter dieser At>-

/} _ >o *y ^-» ureviatur den Verfertiget eines grossen

J^j , Js^of). /ClL'MÜ S Blattes ein, welches eine satyrische Vor-

"/ /} ' Stellung der römischen Kirche enthält,

T\ /~? s- n in drei aneinander zu fügenden Stücken

*J . KX.&OCC. lb OJ? von 52 Z. 9 L. Breite, und 15 Z. 4 L.Höhn. j m Mittelgrunde nimmt die Kirche einen grossen Thcil ein,tad gestattet den Einblick in das Innere. Links stellt das Evangeliumin Gestalt einer mit Dornen gekrönten Frau, welche einen Vorhangweggezogen hat. Bei dem Evangelium sind andere allegorische Figu-ren, die Gnade, die Barmherzigkeit, der Glaube, eine dem Evangeliumsich zuwendende Auserwähltc, und eine vom Starrsinn zurückgehalteneVerworfene. Die allegorische Gestalt der frohen Botschaft verbreitetmit der Fackel Licht über die Vorgänge in der Kirche, welche überder rechts befindlichen Eingangsthüre als die römische bezeichnet ist.In der Kirche wird eine Todtenfeicr gehalten, das Requiem gesungen,die Bezahlung dafür eingenommen, der priesterlicho Segen Begeben,Dispensen und Indulten ganz verschiedener Art erthcilt, geweihte Ker-zen und Ablass gekauft, die Taufe und das Abendmahl gespendet, unddie Messe gelesen etc. Ein Thcil der menschlichen Figuren hat ver-zerrte und Thicrgesichter. Im Vorgrunde schreitet von links her eineProzession nach dorn Eingänge der Kirche zu, ebenfalls mit Fratzen-gesichtern. Zwei Figuren, die eine mit der Bischofsmütze, die anderemit der vierspitzigen Calotte, und jede einen grossen Schlüssel haltend,sitzen auf der Thürschwelle, und lassen die nackten und vollen Bäuche«nd Beine sehen. Am Schenkel der einen steht: O/iolo, an jenem derandern: Ohaliba. Hinter ihnen ragt die Figur des Unsinns hervor.Am Ende des Blattes tanzen Männer und Weiber um eine Säule, aufwelcher ein Crucifix angebracht ist. Hier und da beigegebene ZahlenWeisen auf eine Erklärung hin, welche wohl gedruckt beigegebenwurde. Im Rande ist ein Gedicht in neun dreizciligen Columnen ein-gestochen. Im Bilde selbst sind einige Beischriften in holländischerSprache angebracht. Links unten im Boden ist die Abbreviatur desStechers und Verlegers in Einer Zeile gestochen.

Von diesem Werke haben wir durch Herrn Börner Kunde. DieKomposition ist von einem holländischen Meister, und sie erinnerttheilweise an Ilöllcnbreughcl. Stünde Rob. vor dem B, so könnte mana n Robert Baudous denken, allein es ist nicht anzunehmen, dass hiere jne solche Versetzung stattfinde. Füssly schreibt einem W. Robyneine grosse satyrischc Darstellung zu, unter dem Titel: Den Alleen°Pugte en onvervalste italiaansche doctor en Warzegger, roy. fol. Viel-leicht ist unter B, Hob. ebenfalls ein Robyn verborgen.

2059. Angiolo Bronzino, Maler von Florenz, war Pontonno'sBRCT/rNrO FTORFTTNO Schüler, und folgte als solcher der"*VJ/,1INU. V 1UKL.HINU. Richtun g des Michel Angelo, bis

<* durch das Studium der Werke der Venezianischen Schule erkannte,dass er nicht berufen sei, den Genius desselben zu bannen. Er leistetea '>er in der Zeit des immer mehr um sich greifenden Verfalls nochVorzügliches, besonders in Zeichnung und Composition. Doch ist seinKolorit bleifarbig, und die Camation scheint öfter mit Schminke auf-getragen zu seyn. Vorherrschend ist aber gewöhnlich ein grelles Gelb.Diess gilt zunächst von einigen historischen Gemälden; in seinen Bild-nissen herrscht aber ein irisches und kräftiges Lehen, so dassBronzino als Portraitmaler vorzuziehen ist. Der wie oben geschriebeneName des Meisters steht auf einem Gemälde in der k. k. Gallerie zu