BF. Nr. 1813—1814. 785
der handschriftlichen Angabe des ehemaligen Besitzers am Ende:Von Johannes Schedtler Rechenmeister zu Leipzig lö7.'i. Damit ist nunhergestellt, dass die Platten schon vor 1573 vorhanden waren. Aufdiesen Randleisten kommen obige Zeichen vor, und sie deuten sicherden Künstler an, welcher sie gefertiget hat. Darunter vermuthen wirden Buchdrucker Ernst Vöglein von Constanz, welcher 1529 geborenWurde. Er studirtc in Leipzig, erhielt da 1552 die Würde eines Bac-calaureus, nach zwei Jahren jene eines Magisters, und heirathete 1557die Tochter des Buchdruckers Valentin Pape, welcher ihm die Druckereiüberliess. Unter seiner Presse gingen Calvinistische Werke hervor, derenVerbreitung ihn 1574 in's Gefängniss brachte. Seine Haft scheint langegedauert zu haben, denn im Jahre 1578 floh er nach Heidelberg, ohuewieder nach Leipzig zurückzukehren. Gessner lässt ihn daselbst 1590sterben. Der calvinistischo Baccalaureus dürfte die Randleisten fürValentin Pape geschnitten haben, welcher sie zuerst zur Verzierungv on Büchern benutzt haben könnte. Die Buchstaben E V B S würdendann „Ernst Vöglein Baccalaureus Sculpsil" bedeuten. Man weiss, dass»oglein auch für Thurncisser's Werke Holzstöcke geschnitten habe;8 o für dessen Quintessenz 1574, und für die „Historia sive DescriptioPlantarum omnium" 1578. Vöglein hat die Formschneidekunst sicherDicht erst in den Jahren seiner Verfolgung erlernt. Er scheint aberdieselbe gegen 1574 in Folge der Störung seines Geschäftes neuer-dings wieder aufgenommen zu haben, und nach seiner Flucht ausLeipzig konnte sie ihm Erwerb verschaffen. Die Data sprechen alsoeben so wenig gegen Vöglein, als die von uns versuchte Erklärung derBuchstaben in den Winkeln der gekreuzten Sehneidmesser. Nur ken-nen wir kein Buch mit den Randleisten, auf welchen sie vorkommen.
1813. Ferdinand Berthold, Maler in Dresden, ist seit mehrerenJahren durch Genrebilder bekannt, welche
<vVT£\ einen geistreichen und gewandten Künstler
verrathen. Hier handelt es sich um dessenCompositioncn zu folgendem Werke: Der Sonn-" ~M/~*/J-» la g Gedicht in sechs Gesängen, von L. liech-5,e 'n. Leipzig 11)32, gr. qtt, fol. Berthold hat die sechs ZeichnungenSelbst in Kupfer radirt, und fünf Blätter sind mit dem Monogramme^ersehen. Die gegebenen Zeichen findet man auf drei Blättern, auf'lein rieften ist das Täfelchen schief nach rechts gestellt, und auf dem! u 'iften ist es an einem Steine augebracht. Die Form der Buchstabenlst jene des ersten Monogramms.
1814. Giovanni Bonatti, oder Francesco Barbieri (Guercino)?Dieses Zeichen gibt Brulliot App. I. No. 122. Manfindet es auf einem Gemälde, welches den David mitdem Haupte des Goliath vorstellt, und in der Samm-lung des vor mehreren Jahren verstorbenen Bischofsvon Rieg in Augsburg sich befand. Man schriebdieses Bild dem Francesco Barbieri (Guercino) zu,
Reicher aber kein anerkanntes Werk auf solche Weise bezeichnet hat.*; 8 fragt sich nun, ob das Bild des David für diesen Meister stimme.* jS werden ihm mehrere Bilder mit wenig Grund, und auch mit Un-recht zugeschrieben. Guercino hatte einige Schüler und Nachahmer,wie die Gcnnari, Scbastiano Bombolli, Fulgcnzio Mondini und Gio-vanni Bonatti von Ferrara. Auf letzteren würde das Monogrammebenfalls passen, indem man „lionatti Ferrariensis fecit" lesen kann.Ule ser Künstler lebte von 1635-1681.
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