Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
630
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630 AVF. Nr. 1455.

verkauften. Das Gemälde wurde aber glücklich gerettet, und von demMaler Maximilian Fuchs restaurirt, 1810 nach dem hohen Dome in~Cöln gebracht. Dieses Gemälde ist -weltbekannt, und daher bemerkenwir nur, dass im grossen Mittelstücke die Anbetung der Könige, undauf den inneren Seitenflügeln die Schutzheiligen Cölns, St. Gereon undUrsula mit Gefolge dargestellt sind. Auf der Aussenseite sieht manMaria und den verkündenden Engel fast in Lebcnsgrössc. Dr. Fr.Schlegel war der erste, welcher 1804 in der Europa IL 4. dieses Meister-werk genau beschrieb, noch weiter ging aber Wallraf (Taschenbuch fürFreunde altdeutscher Kunst 1816, S. 349 — 389) darauf ein. Wer in-dessen diese Bücher nicht vorräthig hat, möge Schlegel's sämmtlichcWerke VI. S. 196 — 207, und vor allem Merlo's treffliches Werk:„Kunst und Künstler in Cöln." Cöln 1850, S. 437—469 (MeisterStephan) zu Käthe ziehen. Meister Stephan, dessen Kunst auch A. Dürerin hohem Grade bewunderte, ist nämlich der Schöpfer des sogenanntenCölner Dombildes. Im Jahre 1850 folgte aber Merlo hinsichtlich desMeisters nur der alten Tradition, unbeirrt durch Schlegel, welchereinem Philipp Kalf das Werk vindiciren wollte; weitere Forschungensetzten aber den genannten Schriftsteller bald iu den Stand, überMeister Stephan Urkunden beizubringen, welche dessen Vcrhältnisnein Cöln zur Klarheit führen. Wir wissen jetzt auch, dass der ehr-würdige Meister den Beinamen „Loethener, Lothener und Loythonor"geführt habe, dass er aus Coiistanz stamme, und arm und mit Schuldenbeladen zwischen dem Christfeste 1451 bis zum seihen Tage 1452 ge-storben sei. Das Resultat der neuen Fortschungen legte Merlo in fol-gendem Werke nieder: „Die Meister der altkölnischen Malerschule."Cöln 1852, S. 108 — 129.

Obgleich A. Dürer in seinem Reisobuche sagt, dass man ihm dasWerk des Meisters Stephan in der Rathskapelle gezeigt habe, so be-haupte man doch bis auf Schlegel, dass der Name des Malers derSchutzheiligen von Cöln gar nicht bekannt sei. Desswcgcn rechnetees sich dieser Schriftsteller hoch an, aus der oben gegebenen, durcheine gothische Ilosc getrennte Inschrift auf dem Säbel eines weiss ge-kleideten Standartenträgers den Namen ,. Philipp Kalf 1 ' herausgefundenzu haben. Andere wollten dagegen ..Pauls, Äugst., Augustin und ga rWilhelm' 1 lesen, weil Fiorillo Nachrichten über einen Wilhelm von Cölnbeigebracht hatte. Mit letzterem sind wir aber jetzt durch Merlo(1. c. S. 31. ff.) ebenfalls urkundlich bekannt, und wissen, dass er Wilhelmvon Herle heisse, auf welchen wir unter dem Buchstaben W. zurück-kommen. Um den Namen Philipp herauszubringen, nahm Schlegel fmdass der erste Buchstabe kein A. sondern ein umgekehrtes F sei,welches mit dem J durch den oberen Strich zusammenhänge. Denzweiten Buchstaben nahm er nicht für V, sondern für zwei zusammen-gefügte L. Das dritte Zeichen links von der Rose, welche auf demSäbel beide Worte trennt, sollte J mit oben angehängtem P seyn. So-mit war der Philipp Kalf fertig. Allein diese erkünstelte Dcutui'8hatte sich keiner besonderen Zustimmung zu erfreuen, und es wurde»Stimmen laut, welche das Werk dem Jan van Eyck, oder Hans Memlingiund gar dem A. Dürer und Hans Holbein vindiciren wollen. M«' 1dürfte aberwohl allgemein jene phantastischen Charaktere als willkühr-liehe Säbelverzierung ohne eigentlichen Sinn annehmen, wenn glcic' 1der Name Kalf in Cöln nicht fremd ist. Merlo fand in einer Schrei»*'Urkunde von 1231 eines Wcrnerus Half erwähnt, und mit ihm ist dieFamilie wohl nicht als ausgestorben zu betrachten.

Auf den Aussenseite der Tafeln, unten auf den gemalten Stein-platten, kommen aber auch noch folgende Zeichen vor: