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Eigennatur suchen. Mit einer frühen glücklichen Unbewusstheit und bald mit der steigendenSicherheit dieser bewusstgewordenen Notwendigkeit ging Melchior Lechter seinen Stu-diengang und die glühende Liebe, die ihn zur Fülle der Erscheinungen, zur schenken-den Natur, beseelte, war immer, wie schon seine Akademiegenossen deutlich — wenn auchnicht zustimmend — sahen, mit einem festen eigenen Willen gepaart, das Gegenständ-liche in seiner Sonder-Weise zu ergreifen und unbekümmert um die Programme derSchule und der Zeit durchzubilden. Was Dom und Gemäuer, Stadt und Zimmer, Erdeund Wasser an farbigen Wundern bot, suchte sein begieriger Pinsel festzuhalten; alleLeitern der steigenden und fallenden Lichter vom Frühling bis zum Winter, vom Morgenbis zum Abend, von der Taghelle bis zu den flackernden und schwelenden Bränden
der Flamme in nächt-lichen Räumen suchteer als die jeweiligen be-sonderen Träger derseelischen Stimmun-gen zu deuten, allenkalten und glühendenReizen des nackten Lei-bes, allen Tönen derGewebe, Steine undMetalle ihre Geheim-nisse zu entlocken. Eindoppeltes Streben nachAusdruck macht sichin der Gesamtheit die-ser Studien bemerkbar:Auge und Hand wol-len einmal das zartesteIneinanderfliessen ge-
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brochener 1 one, vom das Leichtere etwa den
Aquarell- und Pastell-, das Schwerere den Ol- und Temperastudien eignet; doch mitdem fortschreitenden Können lösen sie sich von dieser Bedingtheit und setzen sichauf allen Studiengebieten und in allen Arbeitsweisen als zwei Grundzüge unseresKünstlers, der auf der einen Seite nach der Subtilität, nach der äussersten Feinheit,auf der anderen Seite nach der Grösse, nach der stärksten Zusammenballung derWirkungskräfte strebt. Die Aquarell- und Olstudien fallen dabei bemerkenswerter-weise zum grossen Teile in die früheren Jahre — ca. 1885—1892—; sie lehnen sich inden ornamentalen Teilen noch gern an historische Stile an, enthalten aber malerischschon grosse Feinheiten wie die beiden Hochzeitshuldigungen aus den Jahren 1889 und1890, sind manchmal noch ganz voll der heiteren Frömmigkeit des Knaben wie die köst-liche kleine Madonna im Rosenhag (Aquarell 1887) oder verraten schon wie die schöneOlstudie am Karer See in Tirol (1891) die tiefe strenge Auffassung der Natur, die selbst-
MELCHIOR LECHTER: INITIAL AUS DEM GE-DENKBUCH „MAX IM IN" 1907
einheitlich verschwim-menden Grund kaum
aufgehobene leiseGleichklänge wieder-geben, dann wieder dasstärkste Fortissimo vonGlut und Gegensatz, bisins Höchste gesteigerteFarbenwerte zu einerHarmonie verbinden,welche manchmal denstofflichen Vorwurfschon ins Traumhafte
hinüberschwingenmacht. In den Anfän-gen verbinden sich sol-che Gegensätze nochmit den Malweisen undes ist natürlich, dass