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Ganzen, in einem falschen Individualismus ihr Evangelium siehtund den einzelnen gern so lange um seine eigene Achse dreht,bis er in seiner Wohlgefälligkeit nicht mehr merkt, dass er seinSchlagwort zum Gotte gemacht hat und also aus der Abhängig-keit vom Grössten, die zugleich die grösste mögliche Freiheitdes Menschen bedeutet, in die Abhängigkeit vom Kleinsten,die auch die kleinste mögliche Freiheit bedeutet, geraten ist,im Gegensatz zu dieser fand Melchior Lechter, dass man nurPersönlichkeit sei, wenn man sie freiwillig und schrankenlos anein Höheres hingeben könne in der Gewissheit, dass ein Un-verlierbares aus jeder Hingabe nur stärker zu neuem Tun undsehnsüchtiger nach neuer Bereicherung hervorgehen könne. Die-ses Höhere kann ein Mensch, eine Gemeinschaft, ein Gott sein:immer aber strömt aus ihnen in die ganz geöffnete, ganz hin-gegebene Seele ein Heilig-Befruchtendes, ein Mehr-als-Ich,und nur die verschlossenen Krustentiere, deren ganz mit Ich-sucht gefüllte Schale kein Höheres mehr fasst, genügen sichselbst und bleiben unfruchtbar. Also hingebend fromm sein,sich offen und empfänglich erhalten, auf Gewährung der Träumeharren und dann kein Opfer scheuen, keine Arbeit scheuendas innerliche Erlebnis zu gestalten: dieses Gesetz des Schaf-fenden fand der Künstler überall in den Zeiten bestätigt, undda er es nicht nur auf dem Wege der Erkenntnis, sondern vorallem der Selbstentfaltung sucht, im Kreise der gleichgerichtetenMeister und Gefährten der Vergangenheit und Gegenwart wiein seinem notwendigen Lebensraume atmet, so steht sein Lebenund Schaffen unbedingt unter den Forderungen dieses Gesetzesund seine ausdauernde Kraft bürgt dafür, dass er sich ihrersteigenden Strenge, die in der Natur dieses Gesetzes liegt, mitder gleichen Opferwilligkeit und der gleichen Schaffensfreudeunterwerfen wird. Denn der schmerzlich-stolze WahlspruchZarathustras in seiner Werkstatt: „Trachte ich denn nach mei-nem Glücke? Ich trachte nach meinem Werke!" weist mitdoppeltem Finger auf die Entsagung und den unbeirrbarenWillen dieses Weges, dessen Stationen sich, wie wir noch sehen,immer wieder in der geistigen Einheit von Form und Vorwurfseiner Werke ausprägen: das sehnsüchtige Verlangen nachschönen Gesichten, das angespannte Hoffen auf Erhörung, derRausch und Trank aus dem dargebotenen Quell, das seligeBeruhen im Erlangten, kurz das Erlebnis des Schaffens selbstin allen seinen Stufen, nicht allein des eigenen auf bestimmteBilder gerichteten, sondern das immer währende und immer
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melchiorlechter:
KARTON
FÜR EIN
MOSAIK IM
PALLEN-
BERGSAAL
ZU KÖLN
AM RHEIN
1900