abgetan zuhalten-als re-ligiöse Kunst
bezeichnet,man hat siemystisch ge-nannt, weil sieihre Augenvom entgöt-terten Alltagablenkt unddie sinnlichenBilder wiedermit dem ge-heimnisvollenSinn derschöpferi-schen Allna-tur erfüllt undläutert: aberbeideBegriffetreffen wederden Wesens-kern desKünstlersnoch seinerKunst; die be-
LECHäA*N|ft|R
MELCHIOR LECHTER: FEDERZEICHNUNG, VORGARTEN AM MEER AUF
ELBA 1904
sonderen Be-tätigungsfor-men der Reli-gion und derMystik sindandere als dieder Kunst:jene drückenihr inneres Er-lebnis durchdie Verkündi-gung derGottes-Kind-schaft im vor-bildlichenwirkendenLeben undLehren oder
in der um-
schlossensten
Betrachtung
des Geistes
aus, diese
stellt es im
Kunstwerkals selbstän-digen Orga-
nismus ausser den Schaffenden, und wenn man auch in der einheitlichen Wurzel der gei-stig-sinnlichen Kräfte alle ihre Auswirkungen mit dem gleichen Namen bezeichnen, alsoauch alles grosse Handeln und Bilden religiös und mystisch nennen kann, so müssen wirum der Hoheit dieser Dinge selber und in der Betrachtung um ihrer Klarheit willendiese Vermischungen meiden und als Ausgangs- und Endpunkt setzen, dass der grosseKünstler vor allem die strenge reine hohe Kunst selber als die einzige ihm ge-mässe Ausdrucksform des Lebens sucht.
Sobald Melchior Lechter dieses Ziel einmal als das ihm notwendige gefühlt und erkannthatte, war sein Weg so klar wie steil vor ihm gerichtet; aber von denen gleichen Strebensunterscheidet ihn, dass er nicht aufhörte an seiner Vertiefung und Bereicherung zu arbeiten,dass er mit der äussersten Begierde die wesensgleichen Erfahrungen des höchsten geistigenErlebnisses in allen Zeiten und allen Auswirkungen des Bildens und Schauens aufsuchte,um die eigene Kraft an ihrem Vorbild stärker aufzurichten und die eigne Wegsicherheitan ihnen zu erhöhen. Mit diesem fest gerichteten Willen zwang er die Not des Lebensselbst sich in Fülle zu wandeln und fand an einem Ort, zu dem er als Unterhaltmittel