Kräfte der Einzelseele und die Einzelmenschen selbst in ordnende und schaffende, insolche, die den toten Stoff nur bewegen und solche, die ihn zeugerisch durchdringen.Jedes Kunstwerk in unserem Sinne, welches das Gepräge des geistigen Adels trägt,welches immerfort Seelenstoff ausströmen kann, weil immerfort „Seelenstoff anschiessen"muss, um einen Ausdruck der „Blätter für die Kunst" zu gebrauchen, muss also aus derLiebe zum Ganzen geboren sein, d. h. sein Ursprung muss in einer inneren Empfängnisliegen, in der die ganze Person des Künstlers — nicht nur ein einzelner Sinn — voneinem Uberpersönlichen solche Gewalt erlitten hat, dass ein Inneres Gesicht des zu
MELCHIOR LECHTER!
BLICK AUF PORTEFERRAIO ISOLA D'ELBA
PASTELL 1904
Gestaltenden in ihm haftet und er unter dem lebendigen Zwange dieses Gesichts seinWerk erschafft. Dass aber ein Inneres Gesicht dem Künstler erscheine, dazu verhilftihm nicht Wille noch Können noch Vernunft, weil es ein absolutes Geschenk des gött-lichen Weltgrundes ist, eine unerflehliche Gnade, die sich ihren Ort und ihre Stundesucht. Das mag über das Sagen selbstverständlich erscheinen und als das immer unter-scheidende Merkmal allen Künstlertums, ja jedes schöpferischen Menschentums Geltunghaben, heute wissen so wenige darum, dass selbst bildende Künstler den besten Licht-bild-Ausschnitt der Natur für ihre beste Vision erklärten oder in jeder Technik, welchedie beste Wiedergabe der äusseren Impression erzielt, das Wesen der Kunst erkennenwollten. Was man in den redenden Künsten noch jüngst „Erlebnis" nannte, hiess in den