ich schon, ob wir eigentlich in einer Zeit der Vorurteils-losigkeit leben? Und wenn dem so ist, — wie? soll dieseVorurteilslosigkeit Grenzen haben? Soll die Freigeisiereizur Religion, die Unmoral zu einer Spielart des Fana-tismus werden? Ich lehne das ab!... Ist die Moralunmöglich gemacht, ist sie lächerlich worden — nun! Dadas Lächerliche in Florenz die Gefahr der Gefahren ist,so würde der mir der Tapferste scheinen, der sich selbstvor dieser Gefahr nicht fürchtet. Dies müßte zummindesten in Erstaunen setzen. Aber wer Fiorenza in Er-staunen setzt, hat es bereits halb gewonnen... Ach, ihrlieben Herren, die Sünde hat sehr an Reiz eingebüßt,seitdem das Gewissen abgeschafft würde! Blickt um Euch:Alles ist erlaubt oder nichts schändet doch; es gibt keineRuchlosigkeit, vor der sich uns noch die Haare sträubten.Heutzutage wimmelt es von Gottesleugnern und solchen,die sagen, daß Christus seine Wunder mit Hilfe der Ge-stirne vollführt habe. Aber wer hat es bislang gewagt,sich gegen Kunst und Schönheit zu erheben? Rede ichlästerlich? versieht mich wohl! Ich lobe diejenigen sehr,die sich der Schönheit annahmen, solange sie die Sacheeiniger Weniger war und die Moral dumm und unan-gefochten auf ihrem Stuhle saß. Aber seitdem die Schön-heit ein Geschrei der öffentlichen Gassen geworden ist,beginnt die Tugend im Preise zu steigen. Laßt Eucheine feine kleine Neuigkeit ins Ohr sagen, Meister An-gela: Die Moral ist wieder möglich ...
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