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Der Kleine Herr Friedemann : Novellen
Entstehung
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Zwanzig Jahre lang habe ich den Todauf den Tag herbeigezogen, der in einerStunde beginnen wird, und in mir, tiefunten, ist etwas gewesen, das heimlichgewusst hat, ich könne dies Kind nichtverlassen. Ich hätte nicht sterben könnennach Mitternacht, und es musste dochsein! Ich hätte ihn wieder fortgeschickt,wenn er gekommen wäre: Aber er istzuerst zu dem Kinde gegangen, weil ermeinem Wissen und Glauben gehorchenmusste. — Habe ich selbst den Tod andein Bettchen gezogen, habe ich dichgetötet, meine kleine Asuncion? Ach,das sind grobe, armselige Worte fürfeine und geheimnisvolle Dinge!

Lebe wohl, lebe wohl! Vielleicht, dassich dort draussen einen Gedanken, eineAhnung von dir wiederfinde. Denn sieh:der Zeiger rückt, und die Lampe, diedein süsses Gesichtchen erhellt, wirdbald verlöschen. Ich halte deine kleine,kalte Hand und warte. Gleich wird erzu mir treten, und ich werde nur nickenund die Augen schliessen, wenn ich ihnsagen höre: „Es ist am besten, wennwir es gleich abmachen“ . . .