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Der Kleine Herr Friedemann : Novellen
Entstehung
Seite
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dazu. Diese Dinge, sagte er sich, vondenen die Anderen ersichtlich ganz er-füllt waren, gehörten zu denen, für dieer sich nicht eignete, wie Turnen undBallwerfen. Das machte manchmal einwenig traurig; am Ende aber war ervon jeher daran gewöhnt, für sich zustehen und die Interessen der anderennicht zu teilen.

Dennoch geschah es, dass er — sech-zehn Jahre zählte er damals — zu einemgleichalterigen Mädchen eine plötzlicheNeigung fasste. Sie war die Schwestereines seinerKlassengenossen, ein blondes,ausgelassen fröhliches Geschöpf, und beiihrem Bruder lernte er sie kennen. Erempfand eine seltsame Beklommenheitin ihrer Nähe, und die befangene undkünstlich freundliche Art, mit der auchsie ihn behandelte, erfüllte ihn mit tieferTraurigkeit.

Als er eines Sommernachmittags ein-sam vor der Stadt auf dem Wallespazieren ging, vernahm er hinter einemJasminstrauch ein Flüstern und lauschtevorsichtig zwischen den Zweigen hin-durch. Auf der Bank, die dort stand,sass jenes Mädchen neben einem langen,rotköpfigen Jungen, den er sehr wohlkannte; er hatte den Arm um sie ge-legt und drückte einen Kuss auf ihreLippen, den sie kichernd erwiderte.