jedoch die Loyalität, nach einer Weile ihren Standort zuräumen, worauf sofort die andere verehrende Seele ihn ein-nahm. Auf dem Pult des geöffneten Tafelklaviers an der Wandlag aufgeschlagen die Partitur von "D. Fausti Weheklag".
La ich den Freund im Auge behielt auch während der Kon-versation mit einem und dem anderen der Gä3te, verfehlte ichnicht, den Wink aufzufassen, den er mir mit Kopf und Brauenerteilte, und der besagte, ich solle die Versammelten zumEinnehmen ihrer Plätze anhalten. Ich tat es unverzüglich,indem ich die nächsten in diesem Sinne ersuchte, ferner Ste-henden Zeichen machte und mich sogar überwand in die Händezu klatschen, um Stillschweigen für die Mitteilung zu gewin-nen, Dr. Leverkühn wünschte seinen Vortrag zu beginnen.
Der Mensch fühlt es, wenn Blässe sein Gesicht bedeckt; einegewisse entgeisterte Kälte seiner Züge lässt es ihn wahrneh-men, und auch die Schweisstropfen, die dann an seiner Stirnhervortreten mögen, haben ja diese Kälte. Meine Hände, dieich nur schwach, mit Zurückhaltung, zusammenschlug, zitterten,wie sie eben jetzt zittern, wo ich mich anschicke, die ent-setzliche Erinnerung niederzuschreiben.
Das Publikum folgte mit ziemlicher Promptheit. Ruhe undOrdnung waren rasch hergestellt. Es war so, dass mit Adrianam Tische die alten Schlaginhaufens sassen, dazu JeanetteScheurl, Schildknapp, meine Frau und ich. Die Übrigen wa-ren zu beiden Seiten des Zimmers in unregelmässiger Anordnungauf verschiedenartigen Möbeln, bemalten Holzstühlen, Ross-haarfauteuils, dem Sofa verteilt, und einige Herren lehntenauch an den V/änden. Adrian machte noch keine Miene, dieallgemeine Erwartung, auch meine eigene, zu erfüllen undsich zum Klavier zu begeben, um zu spielen. Er sass mit ge-falteten Händen, das Haupt zur Seite geneigt, die Augen vorsich hin, nur wenig aufwärts, gerichtet, und begann bei nunvollkommener Stille, in der leicht eintönigen, auch etwas
732