das nun durch anderhalb Jahrzehnte als ein toter, verpönterund verheimlichter Hochwert dagelegen hat, und dessen Aufle-ben durch die vernichtende Befreiung, die wir erdulden, her-beigeführt werden mag. Es gab Jahre, in denen wir Kinder desKerkers uns ein Jubellied, den "Fidelio", die Neunte Symphonie,als Morgenfeier der Befreiung Deutschlands - seiner Selbst-befreiung - erträumten. Nun kann nur dieses uns frommen,und dieses nur wird uns aus der Seele gesungen sein: dieKlage des Höllensohns, die furchtbarste Menschen- und Gottes-klage, die, ausgehend vom Subjekt, aber stets weiter sichausbreitend und gleichsam den Kosmos ergreifend, auf Erdenje angestimmt worden ist.
Klage, Klage! Ein De profundis, d*as mein liebender Eiferohne Beispiel nennt. Aber hat es nicht dennoch unter demschöpferischen Gesichtspunkt, unter dem musikgeschichtlichenwie unter dem persönlicher Vollendung gesehen, eine jubilante,eine höchst sieghafte Bewandtnis mit dieser schaudervollenGabe des Entgelts und der Schadloshaltung? Bedeutet es nichtden "Durchbruch", von dem zwischen uns, wenn wir das Schick-sal der Kunst, Stand und Stunde derselben, besannen und er-örterten, so oft als von einem Problem, einer paradoxen Mög-lichkeit die Rede gewesen war, - die Y/iedergewinnung, ichmöchte nicht sagen und sage es um der Genauigkeit willen doch:die Rekonstruktion des Ausdrucks, der höchsten und tiefstenAnsprechung des Gefühls auf einer Stufe der Geistigkeit undder Pormenstrenge, die erreicht werden musste, damit diesesUmschlagen kalkulatorischer Kälte in den expressiven Seelen-laut und kreatürlich sich anvertrauende Herzlichkeit Ereigniswerden könne?
Ich kleide in Prägen, was nichts weiter ist als die Beschrei-bung eines Tatbestandes, der seine Erklärung im Gegenständ-lichen sowohl wie im Künstlerisch-Formalen findet. Die Klagenämlich - und um eine immerwährende, unerschöpflich akzentuierte
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