früher gedient hatten, wenn er unter Menschen ging, an Abend-partien und öffentlichen Veranstaltungen teilnahm, hingenjetzt unbenutzt im Schrank, und seine Kleidung war die häus-lich einfachste, - keineswegs der Schlafrock, den er nie,auch am Morgen nicht, gemocht hatte, ausser, wenn er beiNacht das Bett verliess und eine Stunde oder zwei im Stuhlverbrachte. Aber eine lose, flausartige Joppe, hochgeschlos-sen, sodass es keiner Kravatte dazu bedurfte, getragen zuirgend welcher ebenfalls weiten, ungebügelten, klein gewürfel-ten Hose, war um diese Zeit sein ständiger Anzug, in dem erauch die gewohnten und unentbehrlichen, lungenerweitenden Spa-ziergänge machte. Man hätte selbst von einer Vernachlässi-gung seines Äusseren redenr können, wenn ein solcher Eindrucknicht durch die natürliche, aus dem Geistigen stammendeDistinktion seiner Erscheinung hintangehalten worden wäre.
Für wen auch hätte er sich Zwang auferlegen sollen? Ersah Jeanette Scheurl, mit der er gewisse, von ihr beigebrach-te Musiken des 17. Jahrhunderts durchging, (ich denke aneine Ciaconne von Jacobo Melani, die eine Tristan-Stellewörtlich vorwegnimmt) er sah von Zeit zu Zeit RüdigerSchildknapp, den gleichäugigen, mit dem er lachte, wobei ichmich nicht der wehmütig öden Betrachtung enthalten konnte,dass nun die gleichen Augen allein übriggeblieben, die schwar-zen und blauen aber entschwunden waren... Er sah endlichmich, wenn ich zum Wochenende mich bei ihm einfand, - unddas war alles. Zudem waren es nur kurze Stunden, in denener Gesellschaft überhaupt brauchen konnte, denn ohne denSonntag auszulassen (er hatte ihn nie "geheiligt") arbeite-te er acht Stunden am Tage, und da in diese noch eine nach-mittägliche Ruhezeit im Dunkeln eingeschaltet war, so bliebich bei meinen Besuchen in Pfeiffering viel mir selbst über-lassen. Als ob ich*s bereut hätte! Ich war ihm nahe und naheder Entstehung des in Schmerzen und Schauern geliebten Werkes,
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