ausgestreckt, das andere halb hochgezogen, die geteiltenSträhnen des Haars in der Stirn, und, wie es schien, mit et-was distanziertem Wohlgefallen ein Bilderbuch betrachtete,das ihm der Oheim geschenkt hatte. Er hielt es auf denKnieen mit der Rechten am Rande. Das linke Ärmchen und Händ-chen aber, womit er das Blatt gewendet hatte, verharrten, dieBewegung des Umblättems unbewusst festhaltend, in unglaub-lich graziöser Gebarung, das Händchen geöffnet, seitwärtsvom Buch in der Luft, sodass mir war, als hätte ich nie einKind so reizend dasitzen sehen (meinen eigenen war’s nichtim Traume gegeben, den Augen dergleichen zu bieten!) undbei mir dachte, auf diese Manier müssten die Englein drobendie Seiten ihrer Hallelujabücher wenden.
Wir gingen hinüber, damit ich die Bekanntschaft des klei-nen Wundermannes machte. Ich tat es, pädagogisch zusammen-genommen, gewillt zu der Feststellung, dass hier alles mitrecht- und -schlechten Dingen zugehe, entschlossen, mir je-denfalls nichts merken zu lassen und kein Süssholz zu raspeln.Zu diesem Behuf legte ich mein Gesicht in barsche Falten,machte mir eine recht tiefe Stimme und redete ihn an in dembekanntenrauhgönnerhaften Tongehaben von '‘Nun, mein Sohn?!Immer brav derweilen?! Was treiben wir denn da?! M kam miraber, während ich mich so anstellte, unsäglich lächerlichvor, und das Schlimme war, dass er das merkte, auch das Ge-fühl, das ich mir selbst einflösste, augenscheinlich teilteund, beschämt für mich, das Köpfchen senkte, indem er denMund nach unten zog, wie einer, der sich das Lachen verbeisst,was mich so ausser Fassung brachte, dass ich längere Zeitüberhaupt nichts mehr sagte.
Er war noch nicht in dem Alter, wo ein Junge vor Erwachse-nen aufzustehen und seinen Diener zu machen hat, und, wennirgend einem Wesen, so standen ihm die zarten Privilegien,die anforderungslose Heiligung zu Gesicht, die man dem auf
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