verscheucht und ihn zum quasi-freiwilligen Arrestanten aufseinem niederbayrischen Gute gemacht hatte. Die Sache warfast nicht zu glauben. Der Baron hatte, angeblich, ein wohl-verpacktes und sehr hoch, über seinen Wert, versichertesSchmuckstück zur Umarbeitung an einen auswärtigen Juweliergesandt, - welcher, als das Paket bei ihm eintraf, nichtsdarin fand, als eine tote Maus. Diese Maus hatte untüchti-gerweise die Aufgabe nicht erfüllt, die der Absender ihrzugedacht hatte. Offenbar war die Idee gewesen, dass derNager sich durch die Hülle beissen und entkommen sollte, -die Illusion erzeugend, dass das Geschmeide durch das Gottweiss wie entstandene loch gefallen und verloren gegangensei, womit die Versicherungssumme fällig gewesen wäre. Stattdessen war das Tier verendet, ohne den Ausgang zu schaffen,der das Abhandenkommen des nie hineingelegten Colliers er-klärt hätte, - und aufs lächerlichste sah der Erfinder desSchelmenstückes sich blossgestellt. Möglicherweise hatteer es in einem kulturhistorischen Buche aufgepickt und warein Opfer seiner Lektüre. Vielleicht aber auch trug ganzallgemein die moralische Verwirrung der Zeit an seiner ver-rückten Eingebung die Schuld.
Jedenfalls hatte unsere Gastgeberin, die geborene vonPlausig, manchen Verzicht leisten und ihr Ideal, die Verbin-dung von Geburtsadel und Künstlertum, fast gänzlich fallenlassen müssen. An alte Zeiten erinnerte die Gegenwart irgendwelcher ehemaliger Hofdamen, die mit Jeanette Scheurl fran-zösisch sprachen. Sonst sah man neben Sternen des Theatersdiesen und jenen katholisch-volksparteilichen, ja auch einennamhaften sozialdemokratischen Parlamentarier und ein paarhöhere und hohe Funktionäre des neuen Staates, unter denensich immerhin noch Leute von Familie, wie ein von grundausjovialer und zu allem bereiter Herr von Stengel, befanden,
- aber auch schon gewisse, der "liberalistischen" Republik
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