mit Neuigkeiten bestürmte, die zu verarbeiten ihr nicht leichtfiel. Das Gefühl, dass eine Epoche sich endigte, die nichtnur das neunzehnte Jahrhundert umfasste, sondern zurückreich-te bis zum Ausgang des Mittelalters, bis zur Sprengung scho-lastischer Bindungen, zur Emanzipation des Individuums,der Geburt der Freiheit, eine Epoche, die ich recht eigentlichals die meiner weiteren geistigen Heimat zu betrachten hatte,kurzum, die Epoche des bürgerlichen Humanismus; - das Gefühl,sage ich, dass ihre Stunde geschlagen hatte, eine Mutationdes Lebens sich vollziehen, die Welt in ein neues, noch namen-loses Sternenzeichen treten wollte, - dieses zu höchstemAufhorchen anhaltende Gefühl war zwar nicht erst das Erzeug-nis des Kriegsendes, es war schon das seines Ausbruchs, vier-zehn Jahre nach der Jahrhundertwende, gewesen und hatte derErschütterung, der Schicksalsergriffenheit zum Grunde gelegen,die meinesgleichen damals erfahren hatte. Kein Wunder nun,dass die auflösende Niederlage dieses Gefühl auf die Spitzetrieb, und kein Wunder zugleich, dass es in einem gestürztten Lande, wie Deutschland, entschiedener die Gemüter beherrsch-te, als bei den Siegervölkern deren durchschnittlicher Seelen-zustand, eben vermöge des Sieges, weit konservativer war.Keineswegs empfanden sie den Krieg als den tiefen und schei-denden historischen Einschnitt, als der er uns erschien, son-%
dern sahen in ihm eine glücklich abgelaufene Störung, nachderen Beendigung das Leben wieder in die Bahn einlenken moch-te, aus welcher er es gestossen. Ich beneidete sie darum.
Ich beneideteinsonderheit Frankreich um die Rechtfertigung undBestätigung, die, wenigstens scheinbar, seiner bewährendbürgerlichen Geistesverfassung durch den Sieg zuteil gewor-den war; um das Gefühl von Geborgenheit im Klassisch-Ratio-nalen, das es aus dem Siege schöpfen durfte. Gewiss, ichhätte mich damals jenseits des Rheines wohler und mehr zuHause gefühlt, als bei uns, wo, wie gesagt, viel Neues,
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