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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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XXXIII

Die Zeit, von der ich schreibe, war für uns Deutsche eineAera des staatlichen Zusammenbruchs, der Kapitulation, derErschöpfungsrevolte und des hilflosen Dahingegebenseins indie Hände der Fremden. Die Zeit, in der ich schreibe, diemir dienen muss, in stiller Abgeschiedenheit diese Erinne-rungen zu Papier zu bringen, trägt, grässlich schwellendenBauches, eine vaterländische Katastrophe im Schoss, mit derverglichen die Niederlage von damals als mässiges Missgeschick,als verständige Liquidierung eines verfehlten Unternehmenserscheint. Ein schmähliches Ende bleibt immer etwas ande-res, Normaleres noch, als ein Strafgericht, wie es anjetzoüber uns schwebt, wie es dereinst auf Sodom und Gomorra fiel,und wie wir es jenes erste Mal denn doch nicht heraufbeschwo-ren hatten.

Dass es herannaht, dass es längst nicht mehr aufzuhaltenist - ich kann nicht glauben, dass irgend jemand noch denleisesten Zweifel daran hegt. Monsignore Hinterpförtnerund ich stehen ganz gewiss nicht länger allein mit der schau-erlichen und zugleich - Gott helfe uns! - heimlich erheben-den Erkenntnis. Dass diese in Schweigen gehüllt bleibt, isteine gespenstische Tatsache für sich. Denn mag es schon un-heimlich sein, wenn unter einer grossen Menge Verblendetereinige wenige Wissende versiegelten Mundes wohnen müssen,

- das Grausen, so scheint mir, vollendet sich, wenn eigent-lich alle schon wissen, aber zusammen in Schweigen gebanntsind, während einer dem andern die Wahrheit von den sichversteckenden oder angstvoll starrenden Augen liest.

Während ich treulich von Tag zu Tag, in stiller Dauer-Erre-

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