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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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ziemlich allgemein verbreitet war, obgleich ich nie mit jeman-dem, ausser mit Adrian Leverkühn, ein Wort darüber gewechselthabe. Ja, ich gehe so weit, mit der Möglichkeit zu rechnen,dass auch Helmut selbst die Wahrheit kannte: Las Vorkommeneiner gewissen Mischung von gebildeter Güte, kopfschüttelndbedauernder Duldung und - Friedensliebe spricht für dieseAnnahme, und es geschieht garnicht selten, dass die Gesell-schaft den Gatten für den einzig Blinden hält, während er derMeinung ist, ausser ihm wisse niemand etwas. Dies die Bemer-kung eines alten Mannes, der ins Leben geblickt hat.

Ich hatte nicht den Eindruck, dass Ines sich um irgend-welche Mitwisserschaft sonderlich kümmerte. Sie tat ihr Be-stes, um solche hintanzuhalten, aber das war mehr ein Wahrendes Dekors, - wer durchaus wollte, mochte Bescheid wissen,wenn er sie nicht störte. Die Leidenschaft ist zu eingenom-men von sich, um sich vorstellen zu können, dass irgend jemandihr ernstlich entgegen sei. Wenigstens ist dies in Liebes-dingen so, wo das Gefühl jedes Recht der Welt für sich inAnspruch nimmt und in aller Verbotenheit und Anstössigkeitganz unwillkürlich auf Verständnis rechnet. Wie hätte Ines,wenn sie sich sonst für ganz unbelauscht gehalten hätte, mei-ne Eingeweihtheit so ohne Weiteres voraussetzen können? Sietat das aber so gut wie rückhaltlos - nur gerade dass einbestimmter Harne ausfiel - in einem abendlichen Gespräch, daswir - es wird im Herbst 1916 gewesen sein - miteinanderführten, und um das es ihr offenbar zu tun gewesen war.

Ich hatte mir damals, anders als Adrian, der, wenn er ein-mal den Abend in München verbracht hatte, immer an seinem11 Uhr-Zug zur Heimkehr nach Pfeiffering festhielt, in Schwa-bing, nicht weit hinterm Siegesthor, Hohenzollernstrasse,ein Stübchen gemietet, um anabhängig zu sein und unter Umstän-den in der Hauptstadt ein Obdach zu haben. So konnte ich,bei den Institoris als guter Freund zum Abendessen eingela-

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