gung so gering gewesen war. Und überhaupt möchte ich dernatürlichen Ehre des kleinen Herrn in keiner Weise zu nahetreten. Er war gewiss ein ganzer Mann, wenn auch in Männchen-gestalt, und durch ihn erfuhr Ines die Lust, - eine glück-lose Lust, auf deren ärmlichen Boden ihre Leidenschaft wuchernkonnte.
Ich habe es ja gesagt, dass Institoris, als er um Ines*Jungfräulichkeit zu freien begonnen, es eigentlich für einenanderen getan hatte. So denn nun auch war er als Gatte nurder Erwecker abschweifender Wünsche, einer halben, im Grundekränkenden Glückserfahrung, die nach Ergänzung, Verifizierung,Genugtuung verlangte und das Leid, das sie um Rudi Schwerdt-feger trug, und das sich mir im Gespräch mit ihr sonderbarenthüllt hatte, zur Leidenschaft aufflammen liess. Es istganz klar: als Gegenstand der Werbung begann sie kummervollseiner zu gedenken, als wissende Frau verliebte sie sich mitvollem Bewusstsein und in aller Vollständigkeit des Gefühlsund der Begierde in ihn. Und auch das kann keinem Zweifelunterliegen, dass der junge Mann garnicht umhinkonnte, diesemihm leidend und mit geistiger Überlegenheit entgegendrängen-dem Gefühl zu gehorchen, - fast hätte ich gesagt: es wäre"noch schöner" gewesen, wenn er ihm nicht gehorcht hätte,wobei mir das schwesterliche "Hopp, Mensch, was fällt Ihnenein, springen Sie gefälligst!" im. Ohre klingt. Hochmals,ich schreibe keinen Roman und spiegle nicht allwissendeAutoreneinsicht in die dramatischen Phasen einer intimen,den Augen der Welt entzogenen Entwicklung vor. Aber sovielist gewiss, dass Rudolf, in die Enge getrieben, ganz unwill-kürlich und mit einem "7/as soll ich machen?" jenem stolzenKommando parierte, - wobei ich mir sehr wohl vorstellen kann,wie seine Passion für den Flirt, das anfänglich harmlose Ver-gnügen an einer sich immer mehr spannenden und erhitzendenSituation ihn in ein Abenteuer lockte, dem er ohne diese
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