Musik - und sie stand für alles - mit wachsender Bewusstheitverlangte, aus ihrer Respektsvereinsamung zu treten, Gemein-schaft zu finden, ohne gemein zu werden, und eine Sprache zureden, die auch der musikalisch Unbelehrte verstand, wie erWolfsschlucht, Jungfernkranz, Wagner verstanden hatte? Aufjeden Pall war nicht Sentimentalität das Mittel zu diesemZiel, sondern weit eher die Ironie, der Spott, der, die Luftreinigend, sich gegen das Romantische, gegen Pathos und Pro-phetie, Klangrausch und Literatur zu einer Pronde verbandmit dem Objektiven und Elementaren, will sagen: mit der Wie-derentdeckung der Musik selbst als Organisation der Zeit.
Ein heikelstes Beginnen! Denn wie nahe lag nicht falschePrimitivität, also Romantisches wiederum. Auf der Höhe desGeistes zu bleiben; die gesiebtesten Ergebnisse europäischerMusikentwicklung ins Selbstverständliche aufzulösen, dassjeder das Neue fasse; sich zu ihrem Herrn zu machen, indemman sie unbefangen als freies Baumaterial verwendete undTradition spüren liess, umgeprägt ins Gegenteil des Epigo-nalen; das Handwerk, hochgetrieben wie es war, durchaus un-auffällig zu machen und alle Künste des Kontrapunkts undder Instrumentation verschwinden und verschmelzen zu lassenzu einer Einfachheitswirkung, sehr fern von Einfalt, einerintellektuell federnden Schlichtheit,- das schien die Aufgabe,das Begehren der Kunst.
Es war vorwiegend Adrian, der sprach, von uns anderennur leicht sekundiert. Von der vorangegangenen Vorführungerregt, sprach er mit geröteten Wangen und erhitzten Augen,leicht fieberhaft, übrigens nicht in strömendem Fluss, sonderndie Worte mehr hinwerfend, aber doch mit so viel Bewegung,dass mir war, als hätte ich ihn nie, weder gegen mich, nochin Rüdigers Gegenwart, so eloquent aus sich herausgetriebengesehen. Schildknapp hatte seinem Unglauben Ausdruck gege-ben an die Entromantisierung der Musik. Diese sei mit dem
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