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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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tust so als fehlte er dir. Selbstunterschätzung, mein Freund,- und mich unterschätzest du auch, wenn du mich dermassen ein-schränkst und willst mich gänzlich zum deutschen Provinzlermachen. Ich bin zwar deutsch, kerndeutsch meinetwegen, aberdoch eben auf alte, bessere Art, nämlich von Herzen kosmopo-litisch. Willst mich hier wegleugnen und bringst die altedeutsche Sehnsucht und den romantischen Wandertrieb garnichtin Anschlag nach dem schönen Lande Italia! Deutsch soll ichsein, aber dass es mich auch einmal auf gut Dürerisch nach derSonne fröre, das will der Herr mir nicht gönnen, - nicht ein-mal, wo ich doch ausserdem, von der Sonne ganz abgesehen,dringlich schöne Geschäfte hier habe, von wegen einer feinen,erschaffenen Oreatur...

Hier kam ein unaussprechlicher Ekel mich an, sodass ichwild zusammenschauderte. War aber kein rechter Unterscheidtzwischen den Ursachen meines Schauderns; mochte zugleich undin Einem damit auch vor Kälte sein, dann sich der Froststromvon ihm her jäh verschärft hatte, sodass es mir durch dasManteltuch ins Mark der Knochen schnitt. Unwillig frageich:

- Könnt ihr denn das Unwesen nicht abstellen, diesen ei-sigen Zug?!

Er darauf: - Leider nein. Es tut mir leid, dir hierinnicht gefällig sein zu können. Ich bin nun einmal so kalt.

Wie sollte ich*s sonst auch aushalten und es wohnlich befin-den dort, wo ich wohne?

Ich, unwillkürlich: - Ihr meint in der Hellen und ihrerSpelunck?

Er (lacht wie gekitzelt): - Ausgezeichnet! Derb und deutsch■und schalkhaft gesagt! Hat ja noch viele hübsche Benennun-gen, gelehrt-pathetische, die der Herr Ex-Theologus alle ken-nen, sowie Carcer, Exitium. Confutatio, Pernicies, Condemna-tio und so fort. Aber die zutraulich deutschen und humoristi-

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