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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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sich eigentümlich mit Ehrerbietung mischte. Dies rührtedaher, dass in seiner Nähe Sterilität, drohende Lähmung undUnterbindung der Produktivität nur als etwas beinahe Positi-ves und Stolzes, nur zusammen mit hoher und reiner Geistig-keit zu denken war*

- Es wäre tragisch, sagte ich, - wenn Unfruchtbarkeit jedas Ergebnis der Freiheit sein sollte. Es ist doch immer

die Hoffnung auf die Entbindung produktiver Kräfte, tim deret-willen Freiheit erobert wird!

- Wahr, erwiderte er. - Und sie leistet auch eine Weile,was man sich von ihr versprach. Aber Freiheit ist ja einanderes Wort für Subjektivität, und eines Tages hält die esnicht mehr mit sich aus, irgendwann verzweifelt sie an der Mög-lichkeit, von sich aus schöpferisch zu sein und sucht Schutzund Sicherheit beim Objektiven. Die Freiheit neigt immer zumdialektischen Umschlag. Sie erkennt sich selbst sehr bald

in der Gebundenheit, erfüllt sich in der Unterordnung unterGesetz, Regel, Zwang, System - erfüllt sich darin, das willsagen: hört darum nicht auf Freiheit zu sein.

- Ihrer Meinung nach, lachte ich. - Soviel sie weiss!

Aber in Wirklichkeit ist sie doch dann nicht Freiheit mehr, sowenig, wie die aus der Revolution geborene Diktatur noch Frei-heit ist.

- Bist du dessen sicher? fragte er. - Übrigens ist dasein politisch Lied. In der Kunst jedenfalls verschränkendas Subjektive und Objektive sich bis zur Ununterscheidbar-keit, eines geht aus dem anderen hervor und nimmt den Charak-ter des anderen an, das Subjektive schlägt sich als Objektivesnieder und wird durch das Genie wieder zur Spontaneität er-weckt, - "dynamisiert”, wie wir sagen; es redet auf einmal

die Sprache des Subjektiven. Die heute zerstörten musikali-schen Konventionen waren nicht allezeit gar so objektiv, soäusserlich auferlegt. Sie waren Verfestigungen lebendiger

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