licht umsonst war er der Sohn der Stadt, in der Otto III.begraben lag. Seine Abneigung gegen das Deutschtum, das erverkörperte (ein Widerwille, der ihn übrigens mit dem Angli-sten und Anglomanen Schildknapp zusammenführte) trat in diebeiden Erscheinungsformen versponnener Schüchternheit vorder Welt und eines inneren Bedürfnisses nach Welt und Weiteauseinander, das ihn darauf bestehen liess, dem deutschenKonzertsaal Gesänge in fremder Sprache zuzumuten, oder rich-tiger: sie ihm durch die fremde Sprache vorzuenthalten.Tatsächlich brachte er noch in meinem Leipziger Jahr Komposi-tionen von Originalgedichten Verlaines und des von ihm beson-ders geliebten William Blake zum Vorschein, die Jahrzehnte langnicht gesungen worden sind. Die nach Verlaine habe ich späterin der Schweiz gehört. Eines davon ist das wundervolle Ge-dicht mit der Schlusszeile "C'est l’heure exquise", ein ande-res das ebenso zauberhafte "Chanson d*Automne w ; ein drittesder phantastisch melancholische, unsinnig melodiöse Dreistro-pher, der mit den Zeilen beginnt: "Un grand sommeil noir -lombe sur ma vie." Auch ein paar ausschweifend närrischeStücke aus den "F§tes galantes" waren darunter, das "H6Jbonsoir, la Lune!" und vor allem der makabre, mit Kichern be-antwortete Antrag? "Mourons ensemble, voulez-vous?" - WasBlake*s seltsame Poesieen betrifft, so hatte er die Strophenvon der Rose in Töne gesetzt, deren Leben von der dunklenLiebe des Wurms zerstört wird, welcher den Weg in ihr kar-mesinfarbenes Bett gefunden hat. Dazu den unheimlichen Sech-zehnzeiler vom "Poison Tree", worin der Dichter seinen Grimmait Tränen bewässert, mit Lächeln und tückischen Listen be-sonnt, sodass am Baume ein lockender Apfel wächst, mit demsich der diebische Feind vergiftet: zur Freude des Hassersliegt er morgens tot unterm Baum. Die böse Schlichtheit desGedichtes war in der Komposition vollkommen wiedergegeben.
Aber einen noch tieferen Eindruck machte mir gleich bei er-
247