"Hallo", sagte er, ohne aufzublicken. "Gleich können wirreden." Und fuhr noch einige Minuten in seiner Arbeit fort,indem er es mir überliess, ob ich stehen bleiben oder es mirbequem machen wollte. Man muss das so wenig missverstehen,wie ich es tat. Es war ja ein Beweis alt-gesicherter Intimi-tät, eines Zusammenlebens, das durch die einjährige Trennunggarnicht hatte berührt werden können. Es war einfach, alswäre unser Abschied gestern gewesen. Trotzdem war ich einwenig enttäuscht und beschnieen, wenn auch erheitert zugleich,wie das Charakteristische uns erheitert. Längst hatte ichmich auf einem der mit Teppichstoff überzogenen Fauteuilsohne Armlehnen niedergelassen, die den Büchertisch flankierten,als er den Füllfederhalter zuschraubte und zu mir trat, ohnemich auch nur recht anzusehen.
- Du kommst gerade recht, sagte er und setzte sich an dieandere Seite des Tisches. - Das Schaffgosch-Quartett spieltOpus 132 heute Abend. Du gehst doch mit?
Ich verstand, dass er von Beethovens Spätwerk, dem Streich-quartett in a-moll sprach.
- Wie ich da bin, erwiderte ich, gehe ich mit. Es wirdgut sein, den lydischen Satz, das "Dankgebet eines Genesenen"nach langer Zeit einmal wieder zu hören.
- Den Becher, sagte er, - leer* ich jeden Schmaus. DieAugen gehen einem über! Und er fing an, von den Kirchenton-arten und dem Ptolomäischen Tonsystem, dem "natürlichen", zusprechen, dessen sechs verschiedene Klaqgcharaktere durch dietemperierte, i. e. die falsche Stimmung auf zwei, dur und moll,reduziert wurden, und von der modulatorischen Überlegenheitder richtigen Tonleiter über die temperierte. Diese nannte
er ein Kompromiss für den Hausgebrauch, wie ja auch das tem-perierte Klavier ein Ding sei, recht für den Hausgebrauch,einen vorläufigen Priedensvertrag, keine 150 Jahre alt, derallerlei Beträchtliches zuwege gebracht habe, oh, sehr Beträcht-
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