scheint er nicht weiter nachgeforscht, sich nicht dafür in-teressiert zu haben. Er meinte nur, das ewige "Pah” desMannes sei gewiss schon immer ein schlechtes Zeichen gewesen.
Mit geheimem Widerwillen, ein unvernünftiges Grauen be-kämpfend, muss ich nun berichten, dass die zweite Wahl, dieer traf, unter einem verwandten Unheilssterne stand. Erbrauchte zwei Tage, um sich von dem erlittenen Chock zu er-holen. Dann, wiederum nur beraten vom Leipziger Adressbuch,gab er sich in die Behandlung eines gewissen Dr. Zimbalist,wohnhaft in einer der Geschäftsstrassen, die am Marktplatzzusammenlaufen. Unten im Hause befand sich ein Restaurant,darüber ein Klavierlager, und einen Teil des zweiten Stock-werks nahm die Wohnung dieses Arztes ein, dessen porzellane-nes Namensschild schon unten neben der Haustür in die Augenstach. Die beiden Wartezimmer des Dermatologen, eines davonweiblichen Patienten Vorbehalten, waren mit Topfpflanzen,Zimmerlinden und Palmen, geschmückt. Medizinische Zeit-schriften und Bücher zum Blättern, eine illustrierte Sitten-geschichte zum Beispiel, lagen in demjenigen auf, worinAdrian einmal und ein zweites Mal noch seinem Empfange ent-gegensah.
Dr. Zimbalist war ein kleiner Mann mit Hornbrille, einerovalen Glatze, die sich zwischen rötlichem Haar von derStirn zum Hinterkopf zog, und einem nur unter den Nasenlö-chern stehen gelassenen Schnurrbärtchen, wie es damals inden oberen Klassen Mode geworden war und später zum Attri-but einer welthistorischen Maske werden sollte. SeineRedeweise war salopp und männerwitzig, zum Kalauern geneigt.Er war imstande, sich der Bezeichnung "Rheinfall von Schaff-hausen" in dem Sinne zu bedienen, den die Weglassung des hin dem Namen des Flusses hervorbringt, also im Sinne einesgroben Missgeschicks, eines Hineinfalls. Man hatte indessennicht den Eindruck, dass ihm selber sehr wohl dabei war.
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