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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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für einen durchaus irreligiösen Menschen hielte. Das bin ichnicht, halte es vielmehr mit Schleiermacher, auch einem Hallen-ser Gotteskundigen, der die Religion als "den Sinn und Geschmackfür das Unendliche" definierte und sie einen im Menschen vor-handenen "Tatbestand" nannte. Nicht mit philosophischen Sät-zen also habe die Wissenschaft von der Religion es zu tun,sondern mit einem innerlich gegebenen, seelischen Faktum.

Das erinnert an den ontologischen Gottesbeweis, der mir immervon allen der liebste war, und der von der subjektiven Ideeeines höchsten Wesens auf dessen objektives Dasein schliesst.Dass er vor der Vernunft so wenig wie die anderen standhält,hat mit den energischsten Worten Kant bewiesen, Wissenschaftaber kann der Vernunft nicht entraten, und aus dem Sinn fürdas Unendliche und die ewigen Rätsel eine Wissenschaft machenzu wollen, heisst zwei einander grundfremde Sphären auf einein meinen Augen unglückliche und fortwährend in Verlegenheitstürzende Weise zusammenzuzwingen. Religiosität, die ich alskeineswegs meinem Herzen fremd betrachte, ist sicherlich etwasanderes, als positive und konfessionell gebundene Religion»

Wäre es nicht besser gewesen, die "Tatsache" des menschlichenSinnes für das Unendliche dem frommen Gefühl, den schönenKünsten, der freien Kontemplation, ja auch der exakten For-schung zu überlassen, welche als Kosmologie, Astronomie, the-oretische Physik diesem Sinn mit durchaus religiöser Hingabean das Geheimnis der Schöpfung zu dienen vermag, - anstattihn als Geisteswissenschaft auszusondern und Dogmengebäudedaraus zu entwickeln, deren Bekenner sich um einer Kopulawillen aufs Blut befehden? Der Pietismus, seiner schwärmeri-schen Natur gemäss, wollte freilich eine scharfe Trennung vonFrömmigkeit und Wissenschaft herstellen und behaupten, dasskeine Bewegung, keine Veränderung im wissenschaftlichen Raumirgendwelchen Einfluss auf den Glauben ausüben könne. Aber daswar eine Täuschung, denn allezeit hat die Theologie freiwillig-

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