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Der Erwählte : Roman
Entstehung
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den Arbor vitae, einen Drachenkopf mit dem Kreuz im Rachen unddie Ecclesa abgebildet sieht, wie sie Christi Blut in einemKelche auffaengt, waehrend der Teufel einen Schluck und Bissendavon zu erschnappen sucht. Das Stueck zeugt vom fruehen Hoch-stande unseres irischen Kunstgewerbes.

Ich bin meiner Heimat sehr anhaenglich, Sankt Patricks buch-temreichen Eiland, seinen Weiden, Hecken und Mooren. Dort gehendie Luefte feucht und mild, und milde auch ist die Lebensluftunseres Klosters Clonmacnois, will sagen: zugetan einer vonmaessiger Askese gezuegelten Bildung. Mit unserem Abte Kilianbin ich der wohlgeprueften Ansicht, dass die Religion Jesu unddie Pflege antiker Studien Hand in Hand gehen muessen in Be-kaempfung der Roheit; dass es die gleiche Unwissenheit ist, dievon dem einen und von dem andern nichts weiss, und dass, wo jeneWurzel schlug, immer auch diese sich ausbreitete. Tatsaechlichist die Bildungshoehe unserer Brüderschaft sehr betraechtlichund meiner Erfahrung nach derjenigen des roemischen Clerus selbstueberlegen, welcher von der Weisheit des Altertums oft allzu we-nig beruehrt ist, und unter dessen Mitgliedern bisweilen ein wahrhaft beklagenswertes Latein geschrieben wird, - wenn auch keinso schlechtes, wie unter deutschen Moenchen, von denen Einer,allerdings ein Augustiner, mir neulich schrieb; "Habeo tibialiqua secreta dicere. Robustissimus in corpore sum et saepepropterea temptationibus Diaboli succiambo .’ 1 Das ist ja schwerertraeglich, stylistisch sowohl wie auch im Uebrigen, und niemals>wohl koennte so baeurisches Zeug aus einer roemischen Feder fliessen. Ueberhaupt waere es fehlerhaft zu glauben, ich wollte Un-rede fuehren gegen Rom und seine Suprematie, als deren getreuerAnhaenger Ich mich vielmehr bekenne. Mag es so sein, dass wir10