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sich ähnlich wie Sesemi, war aber im Gegensatz zuihr außerordentlich lang; an ihren hageren Hand-gelenken trug sie wollene Pulswärmer. Sie warnicht Lehrerin, sie wußte nichts von Strenge, undin Harmlosigkeit und stillem Frohsinn bestand ihrWesen. Hatte ein Zögling Fräulein Weichbrodtseinen Streich vollführt, so stieß sie darüber ein gut-mütiges und vor Herzlichkeit beinahe klagendesLachen aus, bis Sesemi auf den Tisch pochte undso eindringlich „Nelly!" rief, daß es wie „Nally"klang; dann verstummte sie eingeschüchtert.
Madame Kethelsen gehorchte ihrer jüngerenSchwester, sie ließ sich von ihr ausschelten wie einKind, und die Sache war die, daß Sesemi sie herzlichverachtete. Therese Weichbrodt war ein belesenes,ja beinahe gelehrtes Mädchen und hatte sich ihrenKinderglauben, ihre positive Religiosität und die Zu-versicht, dort drüben einst für ihr schwieriges undglanzloses Leben entschädigt zu werden, in ernst-lichen kleinen Kämpfen bewahren müssen. MadameKethelsen dagegen war ungelehrt, unschuldig und ein-fältigen Gemütes. „Die gute Nelly!" sagte Sesemi.„Mein Gott, sie ist ein Kind, sie ist niemals aufeinen Zweifel gestoßen, sie hat niemals einen Kampfzu bestehen gehabt, sie ist glücklich ..." In solchenWorten lag ebensoviel Geringschätzung wie Neid, unddas war ein schwacher, wenn auch verzeihlicher Cha-rakterzug Sesemi's.
Das hochgelegene Erdgeschoß des ziegelroten Vor-stadthäuschens, das von einem nett gehaltenen Garten