(linchoiiidinum snlfuricniii, Cinclionidinsulfat, schwefelsaures Cinckoiiidin
(2C 20 H 12 NO,SO 3 + 7HO — 411 oder 2C 20 H 24 N 2 O,SH 2 O +6H 2 0 = 822), das neu-trale Salz, dargestellt durch Neutralisation verdünnter Schwefelsäure mitCinchonidin.
Eigenschaften. Das Cinclionidinsulfat des Handels besteht aus sehrweissen glänzenden nadeiförmigen Krystallen, welche in Masse ein nur wenigerlockres Hanfwerk bilden wie das neutrale Chininsulfat, an der Luft sehr wenigverwittern, in der Wärme des Wasserbades aber wasserfrei werden und sichin 100 Th. kaltem Wasser, auch leicht in Weingeist, nicht in reinem Aetherlösen. Da das käufliche Cinclionidinsulfat selten frei von Chinin und Chinidinist, so fluorescirt die wässrige Lösung. Der Geschmack ist bitter, jedochetwas weniger bitter als die Sulfate des Chinins und Chinidins.
Prüfung. Ein Gehalt an Chinin und Chinidin beeinträchtigt den arznei-lichen Werth des Cinchonidinsulfats in keiner Weise und kann daher nichtals eine Verunreinigung aufgefasst werden. Ebenso wäre ein unbedeutenderGehalt an Cinchonin aufzufassen. Es genügt, wenn das Salz in seiner Haupt-menge aus Cinclionidinsulfat besteht. Man schüttelt 0,1 des Salzes und 0,3gepulvertes Natron-Kalitartrat oder Ammonbitartrat mit 20,0 kaltem destil-lirtem Wasser innerhalb einer Stunde kräftig durcheinander und filtrirt als-dann. Das Filtrat, mit einigen Tropfen Aetzammon versetzt, darf eine wenigmerkliche oder nur schwache Trübung erfahren. Diese Trübung kann vonChinin und Cinchonin herrühren, denn die Tartrate dieser Alkaloi'de sind in
Cinchonidinum.
CInchonidinum, Cinchonidin (C 20 H ,2 NO=154 oder C 20 H 24 N 2 O=308), einvon Winkler (1847) in der Rinde von Cinchona Tucujensis entdecktes, demCinchonin isomeres Alkaloi'd. Es ist auch in fast allen anderen Chinarinden,vorwiegend aber z. B. in der Bogota- oder Caquetarinde (von Cinchona lancifolia)vertreten. Mit Chlorwasser giebt es wie Cinchonin keine Reaction. Es lenktdie Ebene des polarisirten Lichtes nach links. Aus Weingeist krystallisirtes in farblosen glänzenden wasserfreien Prismen, welche bei ungefähr 200° C.schmelzen und dann (nach Hesse ) bei 190° wieder erstarren. Es löst sichungefähr in 2500 Th. Wasser von mittlerer Temperatur, 1800 Th. kochendemWasser, 13 Th. OOproc. Weingeist, circa 100 Th. Aether und 10 Th. Chlo-roform (letztere Lösung ist gewöhnlich wegen eines geringen Gehalts anHomocinchonidin etwas trübe). Die schwefelsaure Lösung des von Chinin undChinidin total freien Alkalolds fluorescirt nicht. Der Geschmack ist sehr bitter.
Cinchonidin ist eine starke Base und bildet mit den Säuren neutrale,saure und übersaure Salze, welche meist in Wasser löslicher sind als die ent-sprechenden Chininsalze. Das Tartrat ist schwer in Wasser löslich, dochlöslicher als das Chinidintartrat. Chinin- und Cinchonintartrat sind leichtlöslich in Wasser. 0,1 Gm. des Cinchonidinpicrinats ist (wie auch das Cin-choninpicrinat) in 20 CC. 90proc. Weingeist nicht löslich. Vom Cinchoninlässt sich das Cinchonidin vermittelst seiner leichteren Löslichkeit in Wein-geist trennen (Cinchonidin erfordert 12 Th., Cinchonin 110 Th. Weingeist).