Während der Bearbeitung dieser „pharmaceutischen Praxis" wurden einigeneue Arzneimittel in' den Arzneischatz eingeführt, welche Deutsche Aerzte inden Gebrauch zogen, auch sind einige werthvolle analytische Methoden undandere für die pharmaceutische Praxis wichtige Thatsachen bekannt geworden,welche dem Zwecke dieses Werkes entsprechend einer nachträglichen Erwähnungwerth sind.
A cid am carbolicnm camphoratum, Camplora carbolisata, Campliora plieny-lata, Campliora phenylicata, gekampferte Karbolsäure, Carbolkampfer, eine Lösung von100 Th. gepulvertem Kampfer in 36 Th. reiner Carbolsäure und 4 Th.Weingeist. Sie ist eine wie Oel fliessende klare farblose oder blassgelb-liche Flüssigkeit, welche sich mit fetten Oelen in allen Verhältnissen, nichtaber mit Wasser oder Glycerin mischen lässt. Sie ist in Mischung mit Olivenöloder einer Oelemulsion oder Seifenwurzelabkochung als Verbandmittel empfohlenworden.
Acidnm hy<lrobroinicnm (Band I, S. 628). Hier ist hinzuzufügen:
Die 25proc. Bromwasserstoffsäure hat ein spec. Gew. von 1,204.
Englische Aerzte haben die Bromwasserstoffsäure in vielen Fällen mitErfolg angewendet, wo der Gebrauch von Kaliumbromid angezeigt war. NachFothergill leistete die Säure bei Krampfhusten, Vomitus gravidarum, Magen-katarrh weit mehr als Salzsäure. Gabe der lOproc. Säure 0,5—1,0—2,0 instarker Verdünnung bei Gehirnhyperaemie, nervösen Zufällen, bronchialen Reiz-zuständen, Erbrechen bei Schwangerschaft etc.
Behufs Darstellung einer lOprocentigen Säure (Acidum hydrobromicumdilutum) ex tempore löst man in einem tarirten Ivölbchen 15,5 Kalium-bromid in 30,0 destill. Wasser, versetzt die Lösung mit 38,0 ver-dünnter Schwefelsäure (1,115 spec. Gew.), bringt das Gemisch durchEinstellen in kaltes Wasser auf eine niedere Temperatur und versetzt dannmit 40,0 eines 90proc. Weingeistes. Nach zweistündigem Stehen aneinem kalten Orte oder nach kurzer, aber starker Abkühlung in eiskaltemWasser filtrirt man durch ein Bäuschchen Glaswolle und wäscht den Rück-stand im Filter mit 10,0 eines 45proc. Weingeistes nach. Das Filtratgiebt man, nachdem man es mit 10,0 destill. Wasser verdünnt hat, in einekleine Tubulatretorte oder, wenn die Darstellung schnell beendigt werden muss,in ein tarirtes Porzellancasserol und dampft den Weingeist im Wasserbade beieiner Temperatur von 60 bis 80° C. ab oder bis die Flüssigkeit auf 100,0—96,0 reducirt ist. Diese wird nötigenfalls bis auf 100,0 mit destill. Wasserverdünnt. Sie enthält dann, wie der praktische Versuch ergiebt, 10 Proc.Bromwasserstoff. Mit dem Weingeist verdampfen kaum wägbare Spuren Brom-wasserstoff.