Taraxacum. — Succi (herbarum) recentes.
1111
Die frischen, am Morgen gesammelten Vegetabilien werden in ein Siebgeschichtet lind durch Uebergiessen von Wasser abgewaschen. Nachdem dasWasser abgetropft ist, werden sie mit einem Wiegemesser oder kleinereMengen mit einer Papierscheere zerschnitten alsdann im steinernen Mörsermit hölzernem Pistill genügend zerstampft, in ein Presstuch gegeben und ineiner kräftigen Pressvorrichtuug ausgepresst. Die gesammelte Flüssigkeit wirdnach zweistündigem ruhigem Stehen nochmals colirt und in kleine 60,0 fassendeFlaschen bis an den Hals eingefüllt. Erlauben es die Umstände nicht all-täglich die Kräuter frisch sammeln zu lassen und wird eine zwei- bis vier-tägige Aufbewahrung nöthig, so wählt man Fläschchen in Bouteillenform, fülltden Saft in diese bis auf circa 1,5 Ctm. unter dem Kork an, giebt mittelsteines Tropfglases auf das Niveau des Saftes 5 Tropfen Weingeist, verkorktdie auf harter Unterlage stehende Flasche, also in einer Weise, dass eineMischung des Saftes mit dem Weingeist nicht möglich ist, und stellt dann dieFlaschen unter Vermeidung jedes Riittelns in den Keller. In dieser Weiselässt sich der Saft sehr wohl 4 Tage, ohne dass er eine unliebsame Verän-derung erleidet, aufbewahren.
Soll die Aufbewahrung in der Behausung des Patienten geschehen, solässt sie sich auch auf eine noch längere Zeit (bis 14 Tage) ausdehnen, wennje 60,0 des Saftes mit 5 Tropfen Aether oder 3 Tropfen Schwefelkohlenstoffversetzt werden. Natürlich kann dies nur mit Bewilligung des Arztes oderdes Patienten geschehen.
Häufig schreibt der Arzt die Quantitäten der Säfte der einzelnen Pflanzenfür die Mischung vor. Dann ist jedes Vegetabil für sich abzuwaschen, zuzerquetschen und zu pressen.
Die Aerzte unterscheiden die Säfte je nach Geschmack und Gehalt aiiArzneistoff.
1. Süsse Säfte. Rhizom der Quecken ( Agropyrum repens L.), Mohr-rübe ( Daums Carota L.), Pastinakwurzel ( Pastinaca satka Linn .). Gabe25,0—50,0—100,0 ein- bis dreimal täglich.
2. Bittere Säfte. Löwenzahn ( Leontodon Taraxacum L.); Schaafgarbe(Achillea Millefolium L.), Erdrauch ( Fumaria officinalis L.), Wegwart ( Cicho-rium, Intybus L.), Tausendgüldenkraut ( Erythraea Centaurium Persoox),Dreiblatt oder Fieberklee (Menyanthes trifoliata L.), Wermuth ( ArtemisiaAbsinthium L.). Gabe 20,0—40,0—60,0 zwei- bis dreimal täglich.
3. Salzreiche Säfte. Spinat ( Spinacia oleracea L.), Kraut und Wurzelder rothen Rübe (. Beta vulgaris L.), Bachbungen (' Veronica Beccabunga L.),Brennnessel ( Urtica urens, Urtica dioica L.), Glaskraut (Parietaria erectaKoch ), Kürbis- oder Melonenblätter ( Cucurbita Pepo L., Cucumis Melo L.).Gabe 20,0—40,0—60,0 zwei- bis dreimal täglich.
4. Aromatische und flüchtig scharfe Stoffe enthaltende Säfte.Wurzel vom Gartensellerie ( Apium graveolens L.), Blatt und Wurzel derPetersilie ( Petroselinum sativum Hoffmann ), Rainfarn ( Tanacetum vulgareL.), Löffelkraut ( Cochlearia officinalis L.), Brunnenkresse ( Sisymbrium Na-sturtium L.), Wurzel des Meerrettigs ( Cochlearia Armoracia L.), Blatt undZwiebel des Knoblauchs ( Alliitm sativum L.), Blatt und Zwiebel der Garten-zwiebel (Allium Cepa L.), Indische Kresse ( Tropaeolum majus L.). Gabe10,0—20,0—30,0 zwei- bis dreimal täglich.
5. Nicht flüchtige, aber schar feStoffehalte n deSäfte. Schöllkraut(Chelidonium majus L.), Ringelblume oder Todtenblume ( Calendula offici-nalis L.), Mauerpfeffer (Sedum acre L.), fette Henne ( Sedum Teleplnum L.),