1996
Kelch glockig, aufrecht, zweiteilig (Taf. 216, Fig. 3a), einseitig aufgeschlitzt, sdieidenähnlidiKrone bis 35 mm lang, glockig, nach oben erweitert, mit 5 bis 8 stumpfen, 10 mm langenZipfeln, aussen rot, innen gelblich, getüpfelt, auf der Innenseite mit grünen Längsadern,selten ganz weiss, auf 1 ls der Länge gespalten. Staubbeutel verklebt. Kapsel ellipsoidisch,sitzend. Samen braun, ringsum geflügelt, 3 bis 3,5 mm lang und 2,5 bis 3 mm breit.— VII bis IX.
Stellenweise und dann meist gesellig auf Wiesen, Weiden und Karfluren, zuweilenauch im Gebüsch oder in lichten Nadelwäldern der Alpen, von ca. (1000) 1600 bis 2750 m.
In Deutschland einzig in den Allgäuer Alpen auf Flysdi und Liassdiiefer zwischen 1560 und1950 m, so am Haldewangerkopf, Warmatsgundalpe bis Fellhorn [auf Flysdi], Birwangalpe, Salzbühel ob der
Biberalpe, Gundalpe am Besler, im Moor bei Krist»berg bei 1400m. — In Oesterreich einzig im Vor»arlberg (Starzeljoch, häufig im Kleinen Walsertal,obern Ledital, Klostertal, bei Stuben, Purtscherkopf,Iiifälle im Gross.Vermunt) und im nordwestlichenTirol (Rosannagebiet, Paznaun, Galtür im Fermont»tal, Fimberalpe, Fleiss im Urgental, Venetjoch beiLandeck). — In der Schweiz besonders in denäusseren Ketten der Alpen (östlich bis zum Räti»kon und bis ins Unterengadin und Samnaun, in denZentralalpen fast fehlend, doch am Gotthard, verein»zeit auch in den Voralpen, so noch am Gurnigel,Faulhorn, Pilatus, Rigi, Churfirsten [Sellamatt], Stock,berg, Hornalp und Fläsch).
Allgemeine Verbreitung: Abpen (von Hochsavoyen durch die Schweizund Oberitalien nordöstlich bis Vorarlberg,bis ins Allgäu [Fellhorn] und bis Landeck),Apennin, Apuanische Alpen, Norwegen(vom Säterstal bis Sogn, zwischen Valdersun d Hallingdal,Ringebu im Gudbrandstal)undKamtschatka (var. Camtschatica Grisebach).
Aendert ab: var. fldvida Gremli. Krone gelb. Wallis (Dz6man und Fully) und wohl nochanderwärts. — var. näna Grisebach. Laubblätter elliptisch»lanzettlich. Pflanze zwergig, 1. bis 3>blütig. —f. Asini Briquet. Krone innen schön schwefelgelb, nicht getüpfelt. Stengel etwa 15 cm hoch, mit einem4« bis 5=blütigen Kopf abschliessend. Stengelblätter spärlich, stark reduziert; die unteren und grundständigenLaubblätter verlängert, schmal.lanzettlich (Savoyen).
Gentiana purpurea bewohnt einerseits mittelfeuchte Weiden (Fig. 2965) und Mähewiesen, dann aberdie Hochstaudenlluren, das Gebüsch (Alnetum viridis, Rhodoretum [und die Zwergstrauchheide], Callunetum), dasAthyrietum alpestris, Calamigrostidetum tenellae undvillosae. So erscheint sie in der Zwergstrauchheide in Obwaldenneben Astrantia minor, Arnica montana, Coeloglossum viride, Deschampsia flexuosa, Nardus stricta, Athyriumalpestre, Sphagnum sp., im Grünerlen.Gebüsch (Fig. 2966) mit Peucedanum Ostruthium, Ligusticum Mutellina,Aconitum paniculatum, Saxifraga rotundifolia, Geranium silvaticum, Adenostyles albifrons, Cirsium spino»sissimum, Campanula rhomboidalis, Rumex arifolius, Athyrium alpestre, Luzula spadicea usw. Hinsichtlich ihrerAnsprüche an den Boden verhält sich die Pflanze sehr verschieden. Im Wallis bevorzugt sie kalkarmes Gestein,in den übrigen Teilen der Schweizer Alpen erscheint sie besonders in den Voralpen, sowie im Nordosten (Rätikon,Unterengadin) und Süden (Monte Generoso, Camoghfe) auf Kalkboden, am Pilatus nadi Amb erg auf eozänenkalkarmen Böden (fast ausschliesslich auf Quarzsandstein), im Vorarlberg und im Allgäu auf Flysch, Gault,Kössener Schichten und Liasschiefer. Auffallend ist das fast vollständige Fehlen in den Zentralalpen von Grau»bünden westlich der Albulalinie. Audi dieser Art wird stellenweise (Pilatus, Allgäu, ebenso in Norwegen)stark nachgestellt. So ist das Verschwinden am Fellhorn im Allgäu nach Vollmann nur eine Frage derZeit,da ihre Wurzeln alljährlich zentnerweise nach dem benachbarten Riezlern im Walsertal auswandern.
Die Blüteneinrichtung stimmt im wesentlichen mit jener von G. punctata überein. Die Blüten, diesich durch einen feinen Honigduft auszeichnen, sind schwach proterogyn und an Hummeln angepasst. Der