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5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
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1699
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oder grossen Besen (Stallbesen, zum Reinigen von Gefässen), Kleiderbürsten, Faschinen bei Wasserbauten u. dergl.In den Heidegebieten von Nord Westdeutschland spielt der sog.Plaggenhieb " eine wichtige Rolle. Etwa alle 4 bis8 Jahre wird der Heideteppich in Fladen abgestochen. Die so gewonnenen Fladen (Plaggen) dienen in ersterLinie als Stallstreue, dann aber auch zum Decken von Ställen und Heidehütten und, um die Stallwände auf«geschichtet, zur Warmhaltung im Winter. Neuerdings werden die spätblühenden Pflanzen gern für Trocken«buketts und Trauerkränze (Allerheiligen) verwendet. Eine alte, vielerorts verbreitete Bauernregel sagt, dass,wenn das Heidekraut bis oben blüht, ein strenger Winter folgt, so im Bayerischen WaldsWenn da Hoidarabis en d' Spitzeln blüaht, wiad a kalta Winta". Auch muss man sich dann beeilen, die Wintersaat auszusäen.Zieht (in Westfalen) ein Gewitter trocken über die Heide, so ist nach der Meinung vieler Imker der Honigverlöchtet" (verblitzt) und die Ausbeute für das fleissige Honigvölkchen dahin.

Von der in der deutschen Schweiz weit verbreiteten BezeichnungBrüsch" (pag. 1690) lassen sichviele Flurnamen, Gehöfte wie Brüschweid, Brüsdiegg, Brüschalp (ob Ridiisau, Kt. Glarus), Brüschbühl, Brüsch,Brüschli, Brüscheren usw. ableiten, von dem französisch Bruyere in der Westschweiz les Bruycres (wiederholt),Brugere, Bruviere usw.

Waldwirtschaftlich ist das Heidekraut ein Bodenarmuts.Zeiger. Heidekrautreiche Wälder zeigen dieschlechtesten Zuwachsverhältnisse und sind in die unterste Bonitätsklasse zu stellen; heidelbeerreiche Wälderwerden erheblich besser eingeschätzt. Calluna ist eine Insektenblütlerin und wird von ausserordentlich zahlreichenBesuchern beflogen, am häufigsten von Hummeln und Bienen, doch auch von Fliegen und Faltern. Wie aufErica-Blüten so finden sich auch auf Calluna Blasenfuss »Arten (Thrips). Die Blüten sind schwach proterandrisdi.Staubblätter und Stempel biegen sich in den oberen Teil der fast wagrecht stehenden Blüten hinauf, so dassein bequemer Zugang zum Nektarium entsteht. Grössere Insekten hängen sich an die Blüte und saugen vonunten, kleinere strecken den Kopf in die Blüte, wobei sie sich mit Pollen bestreuen. Obschon die Narbe inder Regel erst nach Entleerung der sehr frühzeitig (schon in der Knospe) sich öffnenden Antheren völligentwickelt ist, kann sich schon früher Pollen auf ihr festsetzen. Doch ist nach K n u t h spontane Selbstbestäubungausgeschlossen, Fremdbestäubung dagegen bei Insektenbesuch gesichert. Auch bei Calluna kann Windbestäubungvorkommen. Die Art gilt als eine der besten Fangblumen für Schmetterlinge. Die Verbreitung der Samen geschiehtin der Regel durch den Wind. Calluna ist Wintersteher und da die Samen lange haften bleiben, werden öfterganze Zweigstücke mit Früchten über grössere Strecken hin weggeführt. Nach Warming sind im Winter 1881Calluna.Früchte durch einen heftigen Nordoststurm von Schweden nach der Jütischen Ostküste (also mindestens16 Meilen weit) herübergetragen worden. Aber auch Wassertransport kommt vor. In der baltischen Driftwurden sowohl einzelne Früchte, als fruchttragende Zweigstücke nachgewiesen. Als Schwimmapparat dientendie mit Luft angefüllten, einwärtsgekrümmten Fruchtblätter. Samentransport durch Ameisen (Formica exsecta)hat Sernander in Schweden beobachtet. Die Samen keimen rasch und gut, aber fast ausschliesslich amLicht. So keimten solche aus der Umgebung von München innerhalb 8 Monaten mit 83°/°; nach Verlauf vonweiteren 25 Monaten hatten noch 8% gekeimt, total also 91°/o. Verdunkelte Saat erreichte innerhalb 2 Jahrennur 3°/o, um dann nach bloss 1.monatlicher Belichtung mit 91°/° zu keimen. Durch Abort der Staubblätterkönnen rein 9 Blüten zur Ausbildung gelangen. Als Seltenheit sind vergrünte Blüten beobachtet worden.In der Gartenkultur befindet sich eine Form mit gefüllten Blüten (petaloide Staubblätter).

Zahlreiche Pilzparasiten leben auf unserer Pflanze. Von Rostpilzen wurde bisher bloss eine Art:Thecöpsora Fisch eri P. Cruchet bei Payerne (Schweiz) nachgewiesen. Der Pilz bildet seine Uredosporenauf der Blattunterseite und bewirkt eine auffällige rötliche Verfärbung der Blätter. Ferner sind zu erwähnendie Discoroyceten Cenang£lla Eri'cae (Niessl.) Rehm auf den Zweigen (in Steiermark) und GodröniaEricae (Fr.) Rehm, gleichfalls auf den Zweigen und dort eigentümlich kelchförmige Fruchtkörper bildend; vonPyrenomyceten i Z y g n o 611 a arthopyrenoides Rehm (Tirol), A m p h i s p h aer i a e r i c 6 t i B. R. S. (Belgien) (Physalöspora dissöspora Feltg. (Luxemburg), Leptosphaeria Ericae Malbr. (Frankreich), Meta.spheeria Callünae Fautr. (auf lebenden Blättern, Frankreich), Plowrighti6lla polyspora (Bref. etTav.) Sacc. an dürren Zweigen (bei Münster i. W.). Hexenbesenartige Bildungen an Calluna, verbundenmit abnorm filziger Behaarung, sind möglicherweise auf die Wirkung einer Gallmilbe zurückzuführen; nachH. Ross jedoch sind sie eher teratologischer Natur.

Das erste sichere Auftreten von Calluna fällt in das Diluvium, aus welchem mehrere Fundenachgewiesen worden sind, u. a. auch aus dem interglazialen Torflager von Lauenburg an der Elbe.Calluna hatte hier während der letzten Interglazialzeit eine führende Rolle bei der Torfbildung übernommen.Zuerst von unten nach oben gerechnet nur vereinzelt auftretend, wird sie bald häufig und bildetschliesslich mit Eriophorum vaginatum den ausschliesslichen torfbildenden Bestandteil, lieber den Entwicklungs»herd der Gattung und über ihre Ausbreitung und Wanderung in vorquartärer Zeit fehlen genügende Anhalts"punkte. Ausser Zweifel steht indes ihr tertiäres Alter. Ein von Menge als Calluna primaeva ausdem Bernstein des Samlandes beschriebenes Zweigfragment ist zur Gattung Andromeda zu stellen.