Druckschrift 
5,3 (1927) Dicotyledones : (IV. Teil), Sympetalae
Entstehung
Seite
1695
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

1695

gonium) und Moosprotonema bei. Hierauf erscheinen, wo der Sand etwas fester geworden, Polytrichum pili«ferum und P. juniperinum, Ceratodon purpureus und Flechten wie Cladonia rangiferina u. a. Sehr frühzeitigschon tritt audi Calluna auf und neben ihr etwa noch Empetrum. Die reiche Entwicklung der Flechten, dieoft grosse geschlossene Herden bilden, wirkt auf etwa vorhandene Reste der eigentlichen Dünenvegetationvernichtend, wogegen die Flechtenkruste das Gedeihen der Heide nicht beeinträchtigt. Haben sich Callunaund Empetrum erst reichlicher angesiedelt, so folgen bald auch die übrigen Pflanzen der Sandheide. DemAufkommen derartiger Heiden steht allerdings das Sandgebläse feindlich gegenüber, und es kann vorkommen,dass die kaum gebildete Heide wieder ganz oder teilweise verschüttet wird. Beim Abgraben grösserer Sand»dünen sind die Heidereste oft als dunkle Schichten erkennbar.

Die Heidekrautbestände der Mittelgebirge und der Alpen werden gleichfalls grossenteils durch denMenschen bedingt. Meist stocken sie auf früherem Waldboden und reichen in den kontinentaleren Gebietennicht oder doch nur wenigüber die heutige oder ehe«malige Waldgrenze hinauf.

In niederschlagsreichen Ge»genden, wie z. B. im BernerOberland, dagegen stossensie bis 2400 m vor, alsobeträchtlich über die kli»matische Waldgrenze. IhrFortbestehen im Waldgür»tel ist wesentlich durch denWeidegang und die Holz«nutzung bedingt. Wirddieser Eingriff dauernd aus»geschaltet, so gelangt derWald meist von selbstwieder zur Vorherrschaft jdenn zu eigentlicher Ort«

Steinbildung kommt es hier

nicht. Durch strenge Durchführung des Weidebanns sind in den Sevennen grössere Strecken mit und ohneWaldanpflanzung vom Callunetum zum Buchenwald übergeführt worden. Nur an windexponierten Grätenmag Calluna da und dort stets herrschend gewesen sein, obschon sie auch hier des winterlichen Schnee«Schutzes bedarf und daher an gänzlich schneefreienWindecken" nicht oder nur kümmerlich gedeiht.An der oberen Waldgrenze fand sie der Bearbeiter in schneearmen Wintern öfter mit abgetöteten Zweigen.Im schneearmen Vorwinter 1924 sind in den Zentralalpen Tirols und der Ostschweiz grosse Callunafleckendurch Frost vernichtet worden. Im Windschutz hält die Besenheide besser aus-, sie reichert hier währendder kalten Jahreszeit ein rotes Pigment (Anthocyan) in den Laubblättern an, das denselben eine rotbrauneFärbung verleiht. In den Qrgebirgs« und kalkarmen Schieferalpen, wo die Callunaheide mit Juniperus com»munis subsp. nana, Arctostaphylos und Vaccinien meist an die unproduktiven, steilen, sonnig.trockenenHänge zurückgedrängt ist, tritt ihre Expansionskraft oft unliebsam in Erscheinung. Werden nämlich die an»stossenden Bergmähder nicht regelmässig mindestens alle 2 Jahre gemäht, so dringt das Heidekraut baldin Menge ein und breitet sich nach und nach aus, den Wiesenertrag verringernd und verschlechternd. Baldlohnt es sich kaum mehr, die entlegenen, vielfach schwer zugänglichen Mähder zu nutzen; sie werden deshalbschliesslich sich selbst überlassen, die Bergheide hat gesiegt. Auf diese Weise sind z. B. in den ausgedehntenHeubergen der Hochwangkette in Graubünden im Laufe der letzten 50 Jahre grössere Komplexe der Wiesen«kultur verloren gegangen (Hätz). Aber auch in der guten kräuterreichen Alpweide stellt sich Calluna als schlimmesUnkraut ein, sobald die Weide vernachlässigt wird. Wird ihrer Ausbreitung nicht durch rechtzeitiges Reutenein Ziel gesetzt, so ist die Weide bald nur noch für Kleinvieh (Schafe, Ziegen und Kälber) nutzbar. In denUnterwaldner Alpen nennt daher der Aelpler das Heidekraut bezeichnenderweiseWeidefresser". Dasbeste Mittel zur Vertilgung der Heidekrautbestände auf nicht zu feuchtem Boden ist der Dünger mit Stall»Jauche. In den Salzburger«Alpen hat man mit Kunstdünger (Kainit und Thomasmehl) gute Erfahrungengemacht. Innerhalb wenigen Jahren war auf der gedüngten Fläche das Heidekraut völlig verschwunden. ZurEindämmung der Calluna»Invasion und zur Verbesserung der Weide wird fast überall das einfache Ab.brennen der Bestände versucht. Immerhin ist es mit dem Brennen allein nicht getan; es muss einUmbrechen des Bodens, Düngung oder Bewässerung hinzukommen, sonst gelingt der Heide binnen wenigerJahren die Wiedereroberung der abgebrannten Fläche. Zwar werden die vorhandenen Calluna»Sträucher

Fig. 2695. Hochmoorvegetation in Oberbayern, im Vordergrund ein Callunetum mit Pinusmontana, im Hintergrund Moorwald. Phot. Dr. G. Hegi, München.