1685
Christ nur gefroren gegessen. Der mit Branntwein hergestellte Auszug wird gelegentlich gegen katarrhalischeErkrankungen des Magens und Darmes wie auch der Blasenschleimhaut benützt. In Norwegen wird der Saftmit etwas Zuckerzusatz zu Wein vergoren. Nach Nestler ist in den Beeren Benzoesäure enthalten.Zufolge des Gerbstoffgehaltes kann das Kraut zum Gerben verwendet werden. Die Pflanze wird bereits1577 von Joh. Thal in seiner Harzflora als Vitis idaea nigra major aufgeführt; Camerarius (1588)erwähnt sie als Vitis Idcea Gesn6ri mäior. Im Regierungsbezirk Kassel ist sie seit 1922 gesetzlich geschützt.
Die Art ist schon im Pliozän der Auvergne nachgewiesen. Sie findet sich ferner fossil in zahlreichenInterglazial» und Glazialablagerungen Mittel» und Nordeuropas. Ausser den bereits (vgl. pag. 1668) angeführtenSchmarotzern leben auf V. uliginosum u. a. noch folgende parasitäre Pilzes Sclerotinia megalösporaWoron. (Sklerotien in den verhärteten Früdi ten), Phacidiumlevigätum Fr. (Schweden), Lophod^rmiummaculäre (Fr.) De Not., Ventüria Myrtilli Cooke (Nördl. gemässigte Zone), V. atramentdria Cooke(England), Dothiddlla VaccxniiRostr. (Grönland); Acanthostxgmaerysiphoides (Rehm), auf dürrenZweigen in Tirol. Die Larve einerGallmücke bewirkt auf der Blattober»fläche längliche, bis 2,5 mm hohe Aus»stülpungen, die von einer gelblichen,aussen ± roten, bis 10 mm breitenZone umgeben sind. Eine andere Artruft Verkürzung der Sprossachse mitBildung einer i blutroten, bis 8 mmlangen und 5 mm breiten Galle hervor.
In Norddeutschland kommtstellenweise zahlreich der Bastard V.
V i 11 s»I d a e a xV. Myrtillus (= V.intermddium Ruthe) vor. Zweigeetwas kantig, grün. Laubblätter über»dauernd, eiförmig, meist stumpf, kerbiggezähnelt, gegen den Grund meist ganz»randig, am Rand etwas umgerollt, unter»seits nicht oder spärlich punktiert. Blüteneinzeln achselständig oder in gehäuften,traubigen Büscheln endständig. Kroneglockig, mit tief eingeschnittenen, an der Spitze zurückgekrümmten, stumpflichen Zipfeln. Antheren 2»hörnig,Griffel eingeschlossen. Frucht rot oder blauschwarz. Bei Swinemünde, Misdroy, Anklam, Jungfernheide beiBerlin, Kapornscheheide bei Metgethen unweit Königsberg, Czarnikau, Niesky, Sommerfeld, Naumburg a./B.,Kaltdorferheide, Resse bei Hannover, Pausa im Vogtland usw. Audi noch in Bayern: zwischen Loisnitz undMarienthal im Bayer. Wald auf Granit, um Nürnberg (bei Zerzabelshof und Hummelstein), bei Erlangen,Teublitz, zwischen Dobertshof und Speinshardt, Bez. Eschenbach, 460 m, auf Keuper, Schlackenhof unweitKemnath. Fehlt in den Alpen, wie überhaupt in der Schweiz und in Oesterreich.
DLXVIII. OxycÖCCUS 1 ) Hill. Moosbeere. Franz.: Canneberge; engl.Cranberry.
Von Vaccinium, mit welcher Gattung Oxycoccus öfters vereinigt wird (Vaccinium UntergattungOxycoccus Hooker, = Unterg. Schollera Dippel), verschieden durch die vier schon in der Knospe tief geteilten,zurückgerollten Kronblätter und die frei hervorragenden, ungespornten Antheren. Blüten auf fädlichen Stielenzu 1 bis 4 in doldigen Blütenständen. Stengel kriechend, fadenförmig (bei unseren Arten) oder aufrecht. DieGattung ist nordamerikanisch«ostaslatisch. Hierher ausser O. quadripetalus der verwandte O. macrocarpusPursh (= Vaccinium macrocarpum Alt., = V. Oxycöccus var. oblongifölius Michx.) in Nordamerika vonNeufundland bis Wisconsin und Minnesota und südlich bis Nord»Carolina, Ohio, Indiana. Krannbeere(Fig. 2689). In Europa an mehreren Stellen in Deutschlandsund auf der holländischen Insel Terschellingverwildert. Unterscheidet sich von O. quadripetalus durch grössere, breitere und etwas stumpfere Laubblätter.(6 bis 17 mm lang), üppigeren Wuchs, grössere (6 bis 10 m lange) Blüten, kürzere Staubfäden und 1 bis 2 cmim Durchmesser messende Früchte. Bisweilen, besonders im nördlichen Gebietsteil, aber auch in der Pfalz; der
') Griech. ofu's (oxys) = sauer und xoxxog (kökkos) = Beere; wegen des saueren Geschmacks derFrüchte. Für unsere Art wird der Name zuerst von Cordus und Clusius gebraucht.
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Fig. 2688. Vaccinium uliginosum L., in einem Schwarzwald-Moor. Phot.Forstmeister O. Feucht, Bad Teinach (Württemberg).