Druckschrift 
2 (1931) Ein Lese- und Nachschlage-Buch
Entstehung
Seite
228
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

228

Zoroaster.

türkische Händler aus der Stadt Prag nach dem Osten 1 , doch ist seinen Wortennichts über den Herkunftsort zu entnehmen. Man könnte zunächst an das Erz-gebirge denken, aber Thomas von Oantimpre bezeugt gegen 1240 im 15. KapitelvonDe naturis rerum" ausdrücklich, daß erstkürzlich" auch in Deutschlandviel Zinn gefunden wurde, und Albertus Magnus , der zwischen 1248 und 1256das WerkDe mineralibus" schrieb, bestätigt dies und sagt, das deutsche Zinnsei weicher als das englische; am Altenberg in Sachsen begann vollends der Abbauerst in den Jahren 14361440 2 , und noch etwas später setzte der zu Amberg inder Oberpfalz ein 3 . Aller Wahrscheinlichkeit nach war also das in Prag gehan-delte Zinn englisches, das ja seit den frühesten Zeiten den Markt beherrschte undseiner Reinheit und Härte wegen auch zu künstlerischen und technischen Zweckendiente. Zünfte der Zinngießer sind in Mittel- und Südeuropa mindestens schonseit etwa 1200 bekannt, und von ihren vortrefflichen Leistungen auch im Kunst-guß zeugen u. a. die im 13. Jahrh. und zu Beginn des 14. entstandenen prächtigenTaufbecken der deutschen Kirchen, z. B. des Mainzer Doms 4 . Im 14. Jahrh. er-folgte, anscheinend im böhmischen Erzgebirge, die Erfindung des Verzinnens vonEisen (s.Weißblech"), und bereits Brunelleschi (13771446) benutzte bei derEinwölbung der Florentiner Domkuppel solchesverzinntes Eisenwerk" 8 ; erstgegen 1600 wurde das Verfahren auch in Sachsen ausgeübt, jedoch so sorgfältiggeheimgehalten, daß es nicht vor 1700 nach England gelangte (angeblich durchVerräterei) und sich dort seit 1720 rasch entfaltete 6 .

Wann das sog. Musivgold (aurum musicum, d. i. Stannisulfid SnS 2 ) erfundenund zu kunstgewerblichen Zwecken zuerst verwendet wurde, ist nicht sicher be-kannt; nach den Vorschriften, die das sog. Kunstbüchlein " von 1535 seinen(verlorenen) Vorläufern entlehnt, stellte man es dar, indem man Zinnamalgam mitSchwefel und Salmiak erhitzte; als Ausgangsmaterial dienteConterfein" (beiAgricola 1557 : Conterfehe), unter dem hier Zinn (zyn) oder ein Zinnerz zu ver-stehen ist 7 .

Ostindisches Zinn soll in Europa alsCalem zuerst 1552 in derHistoria daIndia" des Castanheda genannt werden 8 .

Über die Auffindung des Zinns in Mexiko und Peru s. bei Gmelin 9 .

Zoroaster.

Nach Ed. Meyer 10 , dem auch Charpentier beistimmt 41 , ist das Auftretendieses Schöpfersder ersten, durchaus universalen Weltreligion" um 1000 v. Chr.anzusetzen, und die im Avesta " erhaltenenGäthas" geben seine eigenen Redenwieder; die von Hertel 12 angenommene Zeitgrenze, 559522 v. Chr., wäre hier-nach weitaus zu niedrig.

1 Jacob ,Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe aus dem9. u. 10. Jahrh." (Berlin 1927), 12.

2 Ferckel.lippmann -Festschrift" 75. Tratttmanh ,M. G. M." XXIX, 88 (1930).

3 Schulte ,Die große Ravensburger Handelsgesellschaft" (Stuttgart 1923) II, 199.

4 Dehio ,Geschichte der deutschen Kunst" (Berlin 1926) II, 280. 5 V as abl,Le-

bensbeschreibungen", ed. J affk (Berlin 1920) 119.

6 Mtjspbatt ,Chemie", ed. Stohmann u. Kerl (Braunschweig 1922) X, 1097.

7 Darmstaedter ,Berg-, Probir- u. Kunstbüchlein" (München 1926), 150ff.

8 Coimbra 1551ff. 9Gesch." I, 446; 468, 753. 10Christ." II, 58, 72ff.

11Isis" VIII, 529 (1926). 12M. G. M." XXIV, 74 (1925).