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Zinn.
Amenophis II. (um 1400), sämtlich aus Zinn, fanden sich in Tell-el-Amarna 1 ;im „ Papyrus Harris ", der unter Ramses III. (1198—1167) niedergeschriebenist, wird Zinn dreimal auch als solches erwähnt 2 . Daß es noch jahrhundertelangkostspielig und geschätzt blieb, zeigt eine Inschrift des Königs Taharka (668bis 663), in der er sich rühmt, er habe Tore aus Elektron mit Verzierungen ausZinn anfertigen lassen 3 .
Die Schriften des Alten Testamentes sprechen von Zinn in den „ Numeri:" 4 ,die stark unter den Einflüssen des späten (nachexilischen) sog. Priestercodexstehen, ferner bei Ezechiel 5 (um 600), der es, nebst Silber, Blei und Eisen, alsaus Tarschisch kommend anführt, also aus dem Südwesten Spaniens; dorthin ge-langte es vielleicht aus den Eundstätten im heutigen Portugal und in Galicia 8 ,möglicherweise auch von den „Kassiteriden" genannten Inseln her 7 . Dieser ge-denkt zuerst Herodot , der sie in den nordwestlichen Ozean versetzt; seit Pytheasvon Massilia , der um 325 v. Chr., den Wegen des Zinnhandels folgend, als ersterdie PQtraviäsg (Pretanides, britannische Inseln) nennt und erreicht haben soll,hielt man sie für identisch mit diesen; der Geograph Pomponius Mela (um 50n. Chr.) verlegt sie vor die Nordwestecke der Bretagne, an der sich, bei dem heuti-gen Quessant, ein Ausfuhrhafen für Zinn befand, vielleicht auch für gallisches;Ptolemaios endlich (um 150 n. Chr.) behauptet wieder, die zehn Kassiteriden seienim Ozean nördlich von Spanien zu suchen 8 . Die Verschiedenheit dieser Ansichtenerklärt sich einerseits aus der Mannigfaltigkeit der Erzeugungsstätten, die freilichmit Ausnahme der britannischen sämtlich nur solche zweiten Ranges waren,andererseits aus der begreiflichen Geheimniskrämerei der Schiffer und Händler.Jedenfalls besitzen wir kein klares Bild über die Entwicklung des Zinnhandelsvon den spärlichen Anfängen der phönizischen Zeit an bis zur vollen Entfaltungwährend der hellenistischen; es ist bemerkenswert, daß die Syrer schon im 2. Jahrh.v. Chr. Münzen aus Zinn prägten, von denen uns mit Silber plattierte, die das Bilddes Königs Antiochos VIII. (121—96) tragen, erhalten blieben 9 , und daß es zugleicher Zeit in Ägypten besonders geschickte Kmoiticxheg (Kassiterätes =Zinnarbeiter) gab, die sich noch im 3. Jahrh. n. Chr. als besondere Zunft nach-weisen lassen 10 .
Die Inder kannten das Zinn schon seit altersher, die Veden erwähnen eszweimal als trapu 11 , und auch die Brähmana-Texte (um 1000 v. Chr.) gedenkenseiner 12 . Im alten Gesetzbuche des Gautama heißt es: „Wenn ein Sudra [An-gehöriger der niedrigsten Klasse] wagt, den Veda anzuhören, sollen ihm Zinn oderLack geschmolzen in die Ohren gegossen werden" 13 ; doch ist dieses früheste dererhaltenen Gesetzbücher zwar zwischen dem 8. und 3. Jahrh. v. Chr. entstanden,später aber vielfach überarbeitet und ergänzt worden 14 , ferner gilt es auch fürnicht ganz sicher, daß wirklich Zinn gemeint ist. Tatsächlich kommt in Vorder-indien Zinn nicht vor, wie das schon die ältesten europäischen Berichte bestätigen,
1 Rathgen , „Chz." XLV, 1101 (1921).
2 Sohoff , a. a. O. — 3 Ebenda. — 4 XXXI, 22. — 5 XXVII, 12.
6 Diese waren noch im 18. Jahrh. wohlbekannt, s. Gmelin , „Gesch." IV, 1140, 1143.
7 S. „Kassiteron". — 8 Gisinger , PW. Suppl. IV, 559; 594ff., 597; 675; 663. Orth,
PW. XII, 122, 123. — 9 Darmstaedter , „Mitt. Bayr. numism. Ges." (München 1929), 35.
10 Stöckle , PW. Suppl. IV, 166. — 11 Zimmer , a. a. 0.53. — 12 Oldenberg , „Weltan-
schauung ..40. — 13 Winternitz , „Geschichte der indischen Literatur" (Leipzig
1908ff.; I, 33). — 14 Ebenda III, 481ff.