Poimandres — Prophet.
173
und in diesem Sinne geht die Pneumalehre schließlich auch in die Alchemie über,in der sie u. a. namentlich bei Anrufungen und Beschwörungen in oft bemerkens-werter Weise hervortritt.
Poimandres.
Über die Zeit der Abfassung dieser merkwürdigen Schrift gehen die Meinungennoch auseinander; Reitzenstein setzt sie, mindestens für die ursprüngliche Fas-sung, noch vor Beginn unserer Zeitrechnung an 1 , Ed. Meyer aber nicht vor 150n. Chr. 2 . Als Ort der Entstehung betrachtet er Ägypten, jedoch bleiben die ägyp-tischen Elemente im Hintergrunde gegenüber jenen, die von der platonischenSchule, der Stoa und Philon ausgehen, vor allem aber vom Judentume, dessenbiblische Schöpfungsgeschichte die Vorlage für die dargestellte Kosmogonie ab-gegeben hat. Nach Reitzenstein 3 trifft dies indessen nicht zu, denn viele Zügebetreffs der Weltentstehung stammen aus einer avestischen Schrift „ Dämdäd-Nask" (s . diese), die aus der jüngeren einschlägigen Literatur wiederherstellbarist, weisen also auf iranische Einflüsse hin. Deren Yermittelung erfolgte nachBijltmann 4 hauptsächlich in oder über Syrien, und sie betreffen auch den uralteniranischen Erlösungsmythos vom Urmenschen und vom Gesandten der Lichtwelt,den Menschensohn, die Höllenfahrt usf. Es ist beachtenswert, daß Zosimos (um300 n. Chr.) ,,Poimenandres" dem vovg (Nus) gleichsetzt, dem göttlichen Geiste,dagegen den vtog d-sov (Sohn Gottes) dem Xöyog (Logos) 5 .
Poseidonios.
Zur Kenntnis dieses so vielseitigen Schriftstellers (gest. gegen 45 v. Chr.), vondem wir leider fast nur Bruchstücke besitzen, vgl. Reinhardts „Poseidonios" und„Poseidonios; Kosmos und Sympathie" 6 , sowie Heinemanns „Poseidonios, Meta-physische Schriften" 7 . Die von ihm ausgehenden Einflüsse waren zweifellos groß,werden aber derzeit, nach Weinbeich , wohl doch überschätzt 8 .
Praxis (jr^ägig = Zauberhandlung).
Untrennbar verbunden mit jeder solchen Praxis ist ein Zauberspruch ( ertcodr]= epode, lat. Carmen genannt), der durch seine magische Kraft die Handlung erstin den richtigen Eluß bringt; als Meister solcher Sprüche gilt Hermes , der daherz. B. bei Apttleius „carminum vector" (Herr der Sprüche) heißt und im Pariser„Zauberpapyrus" „ttüvtwv uäyojv aq/rjyhrjs" (pänton mägon archegetes= Oberherr aller Magiker) 9 .
Prophet.
Das griechische 7TQo<prjTr]g (Prophdtes) ist eine wörtliche Übersetzung desägyptischenhrj-hb = Vorlesepriester 10 ; dieser bekleidete in älterer und namentlichhellenistischer Zeit zumeist den Rang unmittelbar nach dem Oberpriester, undseine Funktion war die aus seinem Namen hervorgehende.
1 „Iran. Erlösungsmyst." 159. — 2 „Christ." II, 371ff. — 3 Bei Stegemann , a. a. 0.
122. — 4 „A. Rel." XXIV, lOlff., 105 (1926). — 5 Ruska , „Tab. Smar." 21, 27.
« München 1921 u. 1926. — 7 Breslau 1921 u. 1928. — 8 „A. Rel." XXIII, 82 (1925).
9 Pfister, PW. Suppl. IV, 337, 339. — 10 Eisler , „Orph.-Dionys." 315. — Vgl. Lee-
tor und leotio in der Katholischen Kirche.