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Glas.
dem Namen „Erde von da und da" 1 . Indessen ergaben sich nicht nur die Ver-mutungen betreffs des Kobalts als unhaltbar, sondern Erman und Ranke be-zweifeln sogar, daß überhaupt aus der Periode des alten Reiches (etwa 3000 bis2500) eigentliches Glas, also nicht Schmelze oder Paste, auf uns gekommen sei 2 .Ihrer Ansicht nach gehören die ersten Reste, die zahlreich und schon recht voll-endet sind, erst dem mittleren Reiche an (etwa 2200—1800) 3 , während dessenauch bereits ein bedeutender und weiterhin rasch wachsender Natronhandelnachgewiesen ist 4 ; zu den ältesten dieser Stücke zählen, neben verschiedenen ge-färbten, auch einige farblose und durchsichtige 8 .
Flindess-Peteie zufolge entspricht aber auch diese Abgrenzung noch nichtden Tatsachen, die er dahin zusammenfaßt, daß die selbständige Herstellung desGlases in Ägypten erst mit dem neuen Reiche begonnen habe, also um 1500,während alle ältere Ware aus oder über Syrien eingeführt worden sei, woraus sichu. a. auch die schon seit mindestens 2000 vorkommende Bezeichnung eines blauenGlasflusses mit demNamen,,babylonischer Lasurstein" erkläre 6 . —Mit dieser Vor-aussetzung ist es allerdings nicht leicht zu vereinbaren, daß um 1500 die Glas-erzeugung eine wahre Blüte hinsichtlich Menge und Güte erlebte, die also, fallsihr keine längere und allmähliche Entwicklung vorausging, fast plötzlich ein-gesetzt haben müßte. Es treten die ersten ganzen Gefäße auf, die anfangs nochdie Gestalten der tönernen und steinernen nachbilden, alsbald aber freie undschöne Formen von Flaschen, Kannen, Vasen, Bechern usf. annehmen; sieleuchten in vielen bunten Farben, u. a. in prächtig tiefblauer, sind mit Fäden,Rosetten, Zickzackmustern u. dgl. verziert, zeigen sich poliert, geschliffen odergraviert und imitieren zuweüen Lasur, Karneol, Jaspis und Obsidian 7 . Nebenden durchsichtigen Gläsern sind, z. B. unter den Funden von Tell-el-Amarna, be-sonders die bunten Fläschchen, die gelben und rosa Perlen, die farbigen Plättchenund die hämatinonartigen dunkelroten Becher zu erwähnen 8 , ferner die demspäteren Email ähnlichen, geschnittenen und in die Oberflächen eingesetztenGlasstücke 9 . Die weißen Streifen, die manche Gefäße durchziehen, sind mittelstTrübung durch Zinndioxyd hervorgebracht (0,39—0,51%), die gelben Töne mitEisenoker, die blauen, violetten und dunkelvioletten mittelst Verbindungen vonKupfer (0,46—1,51%), Mangan (0,54—2,64%) und eisenhaltigen Gemischen dieserbeiden; Eisen und Blei wurden gleichfalls verwendet, dagegen fehlt Kobalt durch-aus und ließ sich nur in einem Stücke orientalischer (babylonischer?) Herkunft ausTell-el-Amarna ein einziges Mal nachweisen. Durch welchen Zusatz die Reduktiondes Kupferoxydes bewirkt wurde, konnte bisher nicht festgestellt werden 10 .
Die neue Technik der Erzeugung von Hohlglas durch Blasen scheint in
1 Kisa 17, 37, 261, 279ff., 282, 284; Rathgen , bei Fester , „Entwicklung der chemi-
schen Technik" (Berlin 1923) 11. — Kis a 276. — 2 a. a. O. 547. — 3 Ebenda,
4 Erman , „Lit." 159, 262. — 5 Neumann u. Kotyga , a. a. O.
6 So nach Neumann , „Chz." LI, 1015 (1927).
7 Kisa 47 ff., 403; 60, 66; 62. Erman u. Ranke 547. Abbildungen auch bei Stein-
dorff , „Die Kunst der Ägypter" (Leipzig 1928) 88. — Es könnte vielleicht Verpflanzung
der syrischen oder babylonischen Industrie nach Ägypten in Frage kommen; aber auch
die große nachahmende Geschicklichkeit der ägyptischen Arbeiter ist nicht zu unter-schätzen ( Ruska). — s Neumann u. Kotyga , a. a. O. — 9 Rathgen , a. a. O. 13.
10 Neumann u. Kotyga , a. a. O. Neumann, „Z. ang." 1927, 963 u. 1929, 835.