Druckschrift 
2 (1833)
Entstehung
Seite
311
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Dintenfiscli.

311

Physiologie und Lebensart. Man trifft sie nur im Meerwasser in der Nähe oder auch ineiniger Entfernung von den Küsten, meist nur einzeln, nie aber selbst nur an den Mündungen vonFlüssen. Das Wasser verlassen sie nicht, sondern sterben, wenn sie aus demselben herausgenommenwerden, sehr bald asphyctisch. An Stellen von einigen Klaftern Tiefe mit felsigem, zackigen Grunde,worauf sie sich mittelst ihrer langen Fangarme durch die Saugnäpfchen sehr gut halten (*) und sichgewissermafsen vor Anker legen (**), so dafs selbst die gröfsten Stürme sie nicht losreifsen können,besonders wenn Algen und Seegras für die Ablegung der Eier vorhanden sind, sollen sie besondersangetroffen werden. Solche Plätze gewähren ihnen überdies auch reichliche Nahrung und sichern sievor den Nachstellungen ihrer Feinde, namentlich grofser Fische. Sie sollen daher auch von ihnenmeist nicht eher verlassen werden, bis es an Nahrung gebricht oder andere Umstände sie nöthigensich fortzubegeben. Dann aber ziehen sie weiter, um einen andern Ort aufzusuchen, dabei soll ihnendie Dinte (***), welche sie, wenn es nüthig ist, von sich geben können, und die, sie in eine schwarzeWolke hüllend, sie den Feinden zu entziehen vermag, sehr zuStatten kommen. Montfort ist sogargeneigt, periodische Wanderungen bei den Sepien anzunehmen, da sie zuweilen an Stellen, wo siehäuiig sind, plötzlich verschwinden, später aber sich wieder einstellten. Die schwimmenden Bewe-gungen, worauf sie vermöge des Uebergewichtes des Körpers über die kurzen, ungleich langen Extre-mitäten in Bezug auf Locomotion allein beschränkt sind, führen sie schnell und auf die verschiedensteWeise aus, indem sie den Körper heben und senken, in den mannigfachsten Richtungen wenden undmit Hülfe der Flossen forttreiben können. Beim Schwimmen sind die kurzen Fangarme gegeneinan-der geneigt und bilden einen konischen Körper, während die langen in ihren Canal zurückgezogenerscheinen und nur, wenn es Beute zu machen gilt, mit grofser Schnelligkeit hervorgestreckt werden.Die Auecji würden nach Blainville wegen der sehr convexen Linse nicht weit in die Ferne rei-chen, und das Gehörorgan für feine Gehörempfindungen sich nicht eigenen. Obgleich man bis jetztnoch kein eigenes Genichsorgan aufgefunden hat, so sprechen doch schon die Alten vom Geruch der

(*) Die Wirkung der Sauguäpfchen, die wir bereits bei Swammerdam p 347. gehörig gewürdigt finden, äufsert sichauf folgende Weise. Die Sepie schiebt den mittlem Theil jedes Saugnapfes <Taf. XXXII. Fig. 18. aa) nach Art einesStempels vor, wobei die trichterförmige Höhle desselben (c) schwindet, drückt aber gleichzeitig die Seitenwände (ebd.bb ee) nebst dem Knorpelringe (d d) nach aufsen und an den Gegenstand an. Durch dieses Manöver wird die Luft unddas Wasser von der Stelle verdrängt, an welche sich der Saugnapf fixirt und adhärirt denselben durch innigen Contact.Ohne dafs aber die Fixirung gestört wird, kann die innere stempclähuliche Masse durch den vom Fangarm kommendenMuskel zurückgezogen werden, da dann die so entstandene luft- und wasserleere Höhle des Saugnapfes eine Art Schröpf-kopf bildet, dessen Seitenwände durch den Knorpelring einen Stützpunkt erhalten. Die Anhel'tung wird aber überdiesnoch durch den Druck, welchen das Wasser von aufsen 'her auf den Saugnapf ausübt, nicht wenig befördert.

C**) Wie sich die Sepien mit ihren langen Armen bei Stürmen vor Anker legen und dieselben als Fangorgane be-nutzen, schildert Oppian Hai. Lib. II.

(***) Die Dinte ist eine bräunlich-schwarze, schon in sehr geringer Quantität eine grofse Menge Wassers seiiwarzfärbende, geschmacklose, dickliche Flüssigkeit, die nach dem Eintrocknen sich in Blätter löst und in früherer Zeit für dieGalle gehalten wurde, in neuern Zeiten aber wohl mit gröfserer Wahrscheinlichkeit von Cuvier Mem .p. 42. und Blain-ville Dict. Cl. a. a. O. p. 270., als ein harnähnliches Sekret angesehen wird- Nach einer Analyse von Bizio (Brugn.Giorn. di Fisica Dec. II. T. VIII. 1825. Bim. 2. p. 88., frei bearbeitet in Schweigg. Journ. Bd 15. II 5. S. 429, ■Gaig. Magaz. Bd. XI. S. 194) enthält die frische Dinte: Scharfes Weichharz, gelbes Weichharz, Zucker, pikromelarti-gen gelben Farbestoff, Mucus, Gallerte, Thierschleim, thierischen Stoff, Kochsalz, kohlensauren und salzsauren Kalk undEisenoxyd. In Italien verfertigt man aus der Sepieudiute die als Sepie bekannte schwarzbraune Malerfarbe. — Die Chi-nesische Tusche soll nach Bosc die Dinte von Sepia rugosa sein. Auch Montfort p. 241. und Seba (Thesaurus II.p. 6.) sind geneigt, die Chinesische Tusche von Sepien herzuleiten, während Blainville (Dict. cl. p. 283.) für gevvifshält, sie bestelle aus sehr fein zertheiltem Kienrufs und Gummi, was auch wohl das Wahrscheinlichere ist. — Uebrigengbedienten sich, wie aus l'ersius Sat. 3. und Ausonius Epist. hervorgeht, die Alten der Sepiendinte zum Schreiben.

R r 2