456 ALEXANDER VON HUMBOLD 7 ALS VORLÄUFER USW.
Die angeführten Worte stammen aus der Vorrede, mit derLiebig 1840 sein Werk „Die Chemie in ihrer Anwendung aufAgrikultur und Physiologie" Alexander von Humboldtwidmete, und in der er erzählt, wie dieser sich seiner, desjungen und hilflosen Forschers, während seines Pariser Auf-enthaltes zuerst in freundschaftlichster und uneigennützigsterWeise annahm, und ihm durch die Empfehlung an Gay-Lussac die Laufbahn der Wissenschaft endgültig erschloß.Die erste Begegnung beider Männer erfolgte, der AngabeLiebigs nach, gelegentlich des, von ihm im Frühjahr 1824vor der Pariser Akademie gehaltenen Vortrages über die Ful-minate, und da dieser, nach des Autors eigenem Berichte,„eine analytische Untersuchung" betraf, so schien die Mög-lichkeit vorzuliegen, daß, neben der genialen und überwältigen-den Persönlichkeit Liebigs, auch der von ihm behandelteGegenstand die so lebhafte Anteilnahme Humboldts er-weckt hätte, denn die Analysen der Fulminate ergaben dienämlichen Zahlen wie die von Wohl er für die 1822 entdecktenCyanate gefundenen, und berührten somit ein Gebiet, mit demsich Humboldts Gedanken schon ein Vierteljahrhundert vor-her in eindringlicher Weise beschäftigt hatten.
Als ich diese Vermutung vor mehreren Jahren in einerSitzung der Halleschen „Naturforschenden Gesellschaft" aus-sprach, machte mich jedoch Herr Geheimrat Prof. Dr. J. Vol-hard freundlichst darauf aufmerksam, daß sie unmöglich zu-treffen könne, und hatte die Güte, mir zum Beweise dessendie einschlägigen Manuskriptblätter seiner Lieb ig-Biographiezur. Verfügung zu stellen. Aus diesem, soeben im Druck er-schienenen Werke ergibt sich der Sachverhalt wie folgt: AlsLiebig die Vorrede zu seiner Agrikulturchemie niederschrieb,täuschte ihn selbst sein Gedächtnis, denn der fraglicheVortrag über die knallsauren Salze fand nicht erst am 22. März1824 statt, sondern schon am 28. Juli 1823, und betraf auchnur deren Darstellung und Eigenschaften, und nicht „eine