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CHEMISCHES AUS DEM „PAPYRUS EBERS"
Ägyptologen in wesentlichen Punkten berichtigt, ergänzt undvertieft hat, ergeben nachstehendes Bild über Wesen undEntstehung dieses wichtigen Dokumentes: Der Papyrus Ebersist eine, nach bestimmtem, aber nicht stets ganz durchsichtigemPlane angelegte Kompilation aus älteren, anscheinend nament-lich den Tempelsanatorien Unterägyptens entstammendenSchriften; die Auszüge aus diesen wurden indes vielfach um-gearbeitet und zurechtgerückt, auch sind ganze Abschnitte(z. B. die beiden letzten) der fertigen Zusammenstellung erstnachträglich angestückelt; der Schreiber arbeitete zwar kalli-graphisch musterhaft, beging aber zahlreiche sachliche Fehler,und kopierte oft nachlässig und flüchtig, so daß er u. a. eineSeite zweimal, und zwar mit zahlreichen Varianten, abschrieb. 1Als Zeit der Niederschrift ist etwa 1550 v. Chr. anzusetzen,wie weit jedoch die zum Teil fraglos außerordentlich viel älterenQuellen zurückreichen, läßt sich bisher nicht sicher entscheiden(der Text selbst spricht von „alten, vom Lichte der Männerverfaßten Büchern", und berichtet u. a. von der Wiederauf-findung solcher Werke zur Zeit eines Königs, der um 3700v. Chr. regierte. 2 ) An zahlreichen Stellen machen sich baby-lonische, ägäische und hettitische Einflüsse bemerkbar, so daßes orientalische Heilkunde in ägyptischem Gewände ist, die unsder Papyrus bietet; bisher, und für absehbare Zukunft, bildeter jedenfalls die maßgebende Grundlage unserer Kenntnisseüber die altägyptische Medizin.
Für den Chemiker sind natürlich in erster Linie die zahl-reichen Heilmittel von Interesse, die sich in den nach Hundertenzählenden Rezepten des Papyrus Ebers erwähnt finden. Aberobwohl dieser, nach v. Oefele 3 „sehr viel genannte, doch wenigbekannte Papyrus" in einer deutschen, als „möglichst wort-
1 v. Oefele, in den „Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der
Naturwissenschaften", Bd. 5, S. 354; diese Zeitschrift ist weiterhin „M. M. N."zitiert. 2 S. 62 und 185 der Obersetzung von Joachim; s. unten.
3 M. M. N., Bd. 6, S. 536.