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Des Pedanias Dioscuvides Arzneimittellehre in 5 Büchern
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IY. Buch. Cap. 85.

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treibt im Spätherbst eine weissliche, der des Safrans ähnliche Blütlie,später entwickelt es die Blätter, welche denen der Zwiebel ähnlich, aberfetter sind. Der Stengel ist eine Spanne lang und trägt eine rothbrauneFrucht, die Wurzel hat eine schwärzlichgelbe Rinde, abgeschält findetman sie weiss, zart, saftreich und süss. Die Zwiebel hat in der Mitteeinen Spalt, aus dem sie die Blüthe treibt. Sie wächst am meisten inMessenien 1 ) und Kolchis. Genossen tödtet sie durch Erstickung ähnlichwie die Pilze. Wir haben dieselbe aber beschrieben, damit sie nicht un-versehens statt der Küchenzwiebel gegessen werde, denn wunderbar locktsie die Unerfahrenen durch ihre Süsse an. Gegen den Genuss helfendieselben Mittel wie gegen den Genuss von Pilzen, ferner das Trinkenvon Kuhmilch, so dass, wenn diese bei der Hand ist, es keines anderenMittels bedarf.

') Eine Landschaft im südwestlichen Peloponnes; Salmasius vermuthet svMuai« statt ev MsaaTjvta, aber warum, da die Pflanze ja in Griechenland sich findet.Den Namen hat sie von der Landschaft Kolchis. Theophrast kennt die Bezeichnungnicht, man vermuthet, es sei das (Hist. pl. IX 16, 6) ohne jede Beschreibunggenannte Ephemeron, aber nur aus dem einzigen Grunde, weil es ein Synonym zuKolchikon ist: „denn es sei ein anderes Würzelchen, welches am selben Tage (etp-fjjxepov)tödte; dieses habe ein Kraut wie Nieswurz oder Trespe, es sei Allen bekannt". Jeden-falls berichtet Theophrast nach Hörensagen.

Colchicum autumnale L. (Melanthaceae), Herbstzeitlose der meisten Autoren;i 1 r a a s zieht aber Colchicum variegatum L. hierher, theils wegen der weisslichen Blüthe,theils wegen der Heimath Messenien, da C. autumn. sich in Griechenland diesseitsdes Spercheios (Hellada, Fluss im nördlichen Griechenland) nur selten findet unddann erst in bedeutender Höhe, während C. varieg. auf allen Xirobunen von 800 mHöhe an vorkommt.

Die Knollen orientalischer Colchicum-Arten fanden schon im frühen Mittelalter(selbst Alexander v. Tralles verordnete sie bereits) als Hermodactyli arzneilicheVerwendung, da man das einheimische Colchicum als Giftpflanze verabscheute.

Der in den Knollen und besonders im Samen enthaltene wirksame Bestandtheilist das Colchicin, eine gelblichweisse oder gelbliche, amorphe, gummiartige,bittere, in Wasser, Alkohol und Chloroform leicht lösliche Masse mit drastischgiftiger Wirkung.

Die braunen Samen werden in der Tinctur als diuretisches und als specifischesMittel gegen Gicht und Rheumatismus angewandt.

Cap. 85. IIspl E^vj[j,spoo. Ephemeron. Das Ephemeron —Einige nennen es wilde Iris — hat Blätter und Stengel wie die Lilie,a ber zarter, weisse kleine Blüthen und eine weiche Frucht. Die Wurzeldarunter ist fingerdick, lang, adstringirend und wohlriechend. Es wächst1 n Wäldern und an schattigen Plätzen. Seine Wurzel ist im Mundspül-wasser ein Mittel gegen Zahnschmerzen. Die Blätter, in Wein gekochtund umgeschlagen, vertheilen Oedeme und Geschwülste, welche noch keineFlüssigkeit 1 ) enthalten.

■Berendes, Arzneimittellehre des Dioskurides. 27