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Des Pedanias Dioscuvides Arzneimittellehre in 5 Büchern
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Seite
365
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Viertes Buch.

Nachdem ich in den drei vorigen Büchern, theuerster Areios, vonden Gewürzen, Oelen, Salben, Bäumen, Thieren, Getreide- und Gemüse-arten, von Wurzeln, Säften und Kräutern gehandelt habe, werde ich indiesem, dem vierten, über die übrigen Kräuter und Wurzeln weiter reden.

Cap. 1. Ilepl Kso-cpoo. Kestron. Das Kestron, welches auchPsychotrophon heisst, Weil es in den kältesten Gegenden sich findet undwelches die Römer Vettonica 1 ) nennen, ist ein Kraut mit dünnem, vier-kantigem Stengel von der Höhe einer Elle oder grösser. Die Blättersind gross, weich, denen der Eiche ähnlich, am Rande eingeschnitten,wohlriechend, an der Wurzel aber grösser. An der Spitze der Zweigesitzt der Same in Aehren wie beim Saturei. Die Blätter dieser Pflanzemuss man sammeln und trocknen, von ihnen wird ein vielfacher Gebrauchgemacht. Die Wurzeln darunter sind dünn wie bei der Nieswurz, sie be-wirken, mit Honigwasser genommen, das Erbrechen galliger Stoffe. Yonden Blättern wird gegen Krämpfe, innere Rupturen, Gebärmutterleiden undGebärmutterkrämpfe 1 Drachme im Trank mit Honigwasser gegeben 2 ),gegen Bisse giftiger Thiere 3 Drachmen mit 2 Kotylen Wein. Auch alsUmschlag ist das Kraut bei Bissen giftiger Thiere von Nutzen; gegentödtliche Gifte ist 1 Drachme mit Wein getrunken ein wirksames Mittel.Wenn es aber Jemand vorher trinkt und dann ein tödtliches Gift nimmt,wird dieses ihm nichts schaden. Es ist ferner harntreibend und nachunten durch den Bauch abführend. Mit Wasser getrunken hilft es beiEpilepsie und Wahnsinn, zu 1 Drachme mit Sauerhonig getrunken beiLeber- und Milzkrankheiten. Es befördert auch die Verdauung, wennman es nach der Mahlzeit bohnengross mit gekochtem Honig nimmt. Ingleicher Weise wird es auch bei saurem Aufstossen gegeben, den Magen-leidenden zum Kauen und den Saft hinunterzuschlucken, dann mit Wassergemischten Wein nachzuschlürfen. Weiter wird es in der Gabe von