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Des Pedanias Dioscuvides Arzneimittellehre in 5 Büchern
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I. Buch. Cap. 79.

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Wie sehr die Myrrhe im tiefsten Alterthum geschätzt wurde sowohl als Arznei-mittel wie auch als Gewürz, geht aus den altägyptischen Tempelrecepten, wo sieänti su, trockene Myrrhe genannt wird, und aus vielen Stellen der Bibel hervor:II. Mos. 31, 23 soll von der „ersten und ausgesuchten Myrrhe" zu Salböl genommen

werden, Hohel. 5, 5 heisst es: „Meine Hände träufelten von Myrrhe *11*2) und

meine Finger bedeckte feinste Myrrhe," was auf die Tropfenmyrrhe zu deuten ist.

Heute ist die Verwendung der Myrrhe eine sehr beschränkte.

Cap. 78. Ilspi ßottotixijc ajAÖpvyjc. Böotische Myrrhe. Dieböotische Myrrhe ist die von einem gewissen in Böotien wachsendenBaume abgeschnittene Wurzel. Wähle die, welche der Myrrhe an Wohl-geruch ähnlich ist. Sie hat erwärmende, erweichende, lösende Kraft.Mit Vortheil wird sie auch den Räucherungen zugemischt.

D. redet von der Wurzel als der myrrhenähnlichen Substanz, während Theophrast(Hist. plant. VII 6, 3) beim Hyposelinon sagt: „Es wird aus der Wurzel eine Thräneerzeugt ähnlich der Myrrhe." Wenn wir Theophrast folgen, so wäre die PflanzeSmyrnium Olusatrum L., Pferdseppich. Beim Hipposelinon aber erwähnt D. diein der Wurzel enthaltende Myrrhe nicht, er sagt nur, die Wurzel sei wohlriechend,weiss, wohlschmeckend, nicht sehr dick und werde roh und gekocht gegessen.

Valerius Cordus, welcher behauptet, diese Myrrhe müsse auf jeden Fallein Secretionsproduct sein, will diese Stelle nach dem Texte des Serapion ändern:Aber die Myrrhe, welche aus dem Lande stammt, das Laptoteno (Böotien) heisst,wird aus der Wurzel eines Baumes geschnitten, der in jenen Ländern wächst (vgl.Bauhin et Cherler lib. IX p. 314).

Cap. 79. Ilepl Siöpay.o;. Styrax. Der Styrax ist die Thräneeines gewissen, der Quitte ähnlichen Baumes. Den Vorzug verdient dergelbe und fette, harzähnliche, welcher weissliche Körnchen enthält, mög-lichst lange den Wohlgeruch behält und beim Kneten eine eigene honig-ähnliche Feuchtigkeit abgibt. Ein solcher ist der gabalitische, pisidischeund kilikische. Schlecht ist der schwarze, zerreibliche und kleienartige.Es findet sich aber auch eine Thräne, ähnlich dem Gummi, durchscheinend,myrrhenartig; diese bildet sich aber wenig. Sie verfälschen ihn durchVermischen mit dem Holzmehl des Baumes, welches von Würmern auf-gebohrt wird, mit Honig und dem Bodensatze des Schwertlilienöls undanderen Substanzen. Einige parfümiren Wachs und Talg, kneten es inder brennenden Sonnenhitze unter den Styrax und drücken es durch einenweitlochigen Durchschlag in kaltes Wasser, indem sie so gleichsamWürmchen bilden, und verkaufen es als sogen. Wurmstyrax. Die Un-kundigen lassen einen solchen als acht gelten, indem sie nicht auf dieStärke des Geruches ihr Augenmerk richten, denn der unverfälschte istsehr scharf. Er hat erwärmende, erweichende, verdauende Kraft, istwirksam gegen Husten, Katarrh, Erkältung, Heiserkeit und Verlust derStimme, ist ferner ein gutes Mittel gegen die Verstopfungen und Ver-härtungen in der Gebärmutter und befördert, innerlich genommen und inBerendes, Arzneimittellehre des Dioslturides. 6