250 VERBRENNUNG EINER UHRFEDER IN SAUERSTOFFGAS
abbrennen wie ein Bindfaden, und das mit einem Licht, dasförmlich blendend ist? ... Es sind dieser und einige andereVersuche die schönsten, die ich noch in meinem Leben ge-sehen habe, und mehrere Riesenschritte zur Einsicht in dieNatur des Feuers".
Lichtenberg sagt nicht, daß das geschilderte Experimentvon ihm selbst ersonnen sei, und sein Bericht klingt auch nichtetwa so, als wünschte er, daß der Empfänger dies herauslese.Infolgedessen hielt ich weitere Umschau in einigen mir zugäng-lichen älteren chemischen Zeitschriften und Werken, zunächstjedoch ohne Erfolg. Berzelius z. B. beschreibt zwar den Ver-such, „einen der schönsten, welchen die Chemie aufzuweisenhat", in der ersten Auflage seines Lehrbuches, 1 nennt aberkeinen Autor, und das nämliche gilt für Thenard und seinvielbändiges „Lehrbuch der Chemie", 2 bei dessen deutscherAusgabe sich der Übersetzer Fechner, der spätere tiefsinnigeDenker und Schöpfer der Psychophysik, durch Überanstrengungden Keim zu der schweren Krankheit seines ganzen Lebensholte. Zu noch älteren Quellen herabsteigend, fand ich end-lich die richtige Spur in Lavoisiers „Traite elementaire deChimie"; 3 der Abschnitt, in dem der große Forscher die frag-liche Reaktion erörtert und in quantitativer Hinsicht durch denNachweis aufklärt, daß die beim Verbrennen des metallischenEisens erfolgende Gewichtszunahme genau der Menge des an-scheinend verschwundenen Sauerstoffes entspricht, beginnt näm-lich mit den Worten: „Tout le monde connoit aujourd'hui labelle experience de Monsieur Ingenhouz sur la combustiondu fer . .. "
Urheber des Versuches ist also Ingen-Housz (dies istdie richtige Schreibweise), der 1730 zu Breda in Holland ge-borene und 1799 zu London gestorbene vielseitige Naturforscherund durch Einführung der Impfung in Wien (auf Befehl Maria
1 Deutsch von Blöde, Dresden 1820, 1, S. 188. 2 Leipzig 1825, 1,S. 159. 3 Paris 1789, 1, S. 41.