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DIE KÜSTE VON BÖHMEN. 1
nter den Absonderlichkeiten und Anachronismen, andenen Shakespeares „Wintermärchen" so reichist, hat die rätselhafte „Küste von Böhmen" seit jeherdie Aufmerksamkeit der Kritiker und Kommentatorenin besonders hohem Grade erregt. Die Einen haben in derEinführung Böhmens als Küstenland einen unwiderleglichenBeweis der Unbildung und Unwissenheit Shakespeares ge-sehen, ohne zu beachten, daß dieser von einem bloßen Irrtumsolcher Art wohl sicher gelegentlich der Darstellung des StückesKenntnis erhalten hätte, und ihn leicht beseitigen konnte, wozuer nur z. B., wie man vorgeschlagen hat, Bithynien an StelleBöhmens zu setzen brauchte. 2 Andere sind der Ansicht, derDichter sei sich zweifellos jenes Fehlers vollkommen bewußtgewesen, habe ihn jedoch absichtlich unverbessert stehen lassen,weil es sich um ein Märchenstück handelte, das „im Landeder Fabel und in der Zeit der Poesie" spiele, und dem gegen-über ohnehin niemand die Forderung strenger Wahrheit er-heben könne. 3 Die Dritten endlich, unter ihnen vor allemSimrock, 4 haben auf die Quelle verwiesen, der Shakespeares„Wintermärchen" entfloß: die Novelle „Pandosto, the Triumphof Time", des Robert Greene, eine sehr populäre, seit 1588
1 „Shakespeare-Jahrbuch" 1892, S. 115. 2 Simrock, „Die
Quellen des Shakespeare". Bonn 1872. II, S. 90. 3 Ebenda S. 90.
4 Ebenda II, S. 41 ff.